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14.04.2015

Immer mehr Österreicher "vererben gemeinnützig"

2014 gingen mehr als 50 Millionen Euro durch Testamentsspenden an gemeinnützige Organisationen.

Immer mehr Österreicher "vererben gemeinnützig". Mehr als 50 Millionen Euro - fast jeder zehnte Spendeneuro - gehen mittlerweile via Testamentsspenden an gemeinnützige Organisationen wie wie Caritas, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen oder den WWF.

 

Diese Zahlen für das Jahr 2014 gab am Dienstag, 14. April 2015, der Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria, Günther Lutschinger, bekannt. Er ist zugleich Initiator von "Vergissmeinnicht.at - Die Initiative für das gute Testament", die Menschen dabei unterstützt, dass diese "auch über ihren Tod hinaus Gutes tun können".  Als Zeichen des Danks an diese Spender pflanzte "Vergissmeinnicht.at" anlässlich des Pressegesprächs im Garten des Oberen Belvedere symbolisch Vergissmeinnicht-Pflanzen.

 

Spenden via Testament nimmt zu

Wie Lutschinger mitteilte, wird die Spendenform via Testament bei den Österreichern immer beliebter. "Rund acht Prozent der Österreicher über 40 Jahre können sich mittlerweile vorstellen, eine gemeinnützige Organisation neben ihren Angehörigen im Testament zu bedenken." Ihr wichtigstes Motiv sei der Wunsch, auch nach ihrem Ableben der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. "Trotzdem wissen noch viel zu wenige Menschen über diese Spendenform und ihre rechtlichen Aspekte Bescheid. Mit unserer Initiative möchten wir diese Lücke schließen und neutral informieren", erklärte Lutschinger.

 

Potenzial dazu sei noch reichlich vorhanden: Der Fundraising-Experte nannte zehn Milliarden Euro, die jährlich in Österreich von einer Generation an die nächste weitervererbt werden. Zugleich werde der Anteil an kinderlosen Paaren immer höher, viele wollten ihre Hinterlassenschaft nach dem Tod einem sinnvollen Zweck zukommen lassen. Dafür gebe es seit kurzem auch verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen, wies Lutschinger hin. Die geplanten Änderungen im Erbrecht seien ebenso begrüßenswert wie die Befreiung gemeinnütziger Organisationen von der Grunderwerbssteuer, die die Abwicklung von Immobilienübertragungen an NGOs maßgeblich erleichtere. Das erst jüngst beschlossene Erbrechtsänderungsgesetz erleichtere Widmungen abseits des Pflichtteils an Verwandte.

 

Noch großes Tabu rund um Tod und Sterben

Caritas-Mitarbeiterin Ruth Williams erwähnte am Rande des Pressegesprächs gegenüber "Kathpress" das nach wie vor große Tabu, das in der Gesellschaft rund um Tod und Sterben vorherrsche. Erst allmählich verbreite sich die Einsicht, dass Patientenverfügungen und rechtzeitige Nachlassregelungen sinnvoll sind und Willensumsetzung über den Tod hinaus ermöglichen. "Durch Erbschaften und Schenkungen an die Caritas konnte schon vielen Menschen in Not geholfen werden", weiß auch die Ansprechperson in der Wiener Caritas für diesen Bereich, Dagmar Lagler. Sie nannte als Begünstigte behinderte Menschen, alleingelassene Mütter und Kinder, Waisenkinder, Flüchtlinge und viele andere.

 

Das enorme Interesse an diesem Thema lässt die Caritas Wien eine im März durchgeführte Informationsveranstaltung am Dienstag, 28. April 2015, ab 18 Uhr wiederholen, wo man sich unverbindlich zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament informieren kann: Erzbischöfliches Curhaus, Stephansplatz 3, 1010 Wien.

 

Eine von vielen Testamentsspenderinnen war die ehemalige Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayer (1931-2013), die ihre testamentarische Verfügung der Österreichischen Nationalbibliothek widmete. "Mit dieser wichtigen Spende können wir auch weiterhin nachhaltige Projekte wie die Konservierung und Digitalisierung der jahrhundertealten, herausragenden Bestände umsetzen", erklärte Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek.

 

"Vergissmeinnicht.at - Die Initiative für das gute Testament" vereint 60 österreichische gemeinnützige Organisationen, darunter mehrere kirchliche wie das Canisiuswerk, Caritas Socialis, die evangelische Diakonie, "Jugend Eine Welt", die Katholische Frauenbewegung oder "MIVA Austria". Zusammen mit dem Träger der Initiative, dem Fundraising Verband Austria, und Kooperationspartnern wie der Österreichischen Notariatskammer wollen sie die österreichische Bevölkerung über die Möglichkeit informieren, im Testament neben Angehörigen auch eine gemeinnützige Organisation zu berücksichtigen.