Sommer in Kroatien: ungetrübter Sonnenschein, türkisfarbenes Meer und Müllberge am Strand. So fing es an. „Unsere Kinder haben uns gefragt, woher der Mist kommt, der jeden Tag angeschwemmt wurde“, erinnert sich Sandra Krautwaschl, „wir haben versucht, es zu erklären.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass wir dafür mitverantwortlich sind. Wir schmeißen zwar keinen Abfall in die Landschaft und trennen in Österreich Müll. Aber wir kaufen das alles, und deshalb wird es produziert.“
Kurz nach dem Kroatienurlaub im Spätsommer 2009 sah die Physiotherapeutin und dreifache Mutter den Film „Plastic Planet“ des österreichischen Regisseurs Werner Boote.
„Zum Aspekt der Müllproblematik und der Verschwendung kam dadurch jener der Gesundheit“, sagt Krautwaschl, „mich hat besonders geärgert, dass ich als Konsumentin keine Chance habe draufzukommen, welche – oft giftigen – Zusätze in so einem Plastikteil drinnen sind.“
Die einzige Chance, dieser Ohnmacht zu entkommen, war für die Steirerin eine radikale: „Wir haben beschlossen, kein Plastik mehr zu kaufen.“
Was als einmonatiges Experiment begann, währt nun schon fünfeinhalb Jahre: Sandra Krautwaschl, ihr Mann und ihre drei Kinder im Teenageralter leben weitgehend ohne Plastik.
Tupperware-Gefäße wurden durch Schraubgläser und Edelstahldosen ersetzt, Plastikzahnbürsten wichen hölzernen, Zahnpastatuben einem Glas Xylit (Zuckeralkohol aus Pflanzen).
„Zum Duschen, Haarewaschen und Putzen verwenden wir einen Allzweckreiniger, der wird zwar im Fünf-Liter-Plastikkanister geliefert, aber zurückgegeben und wieder befüllt“, erklärt Sandra Krautwaschl.
„Für Wimperntusche habe ich noch keine Alternative gefunden, aber als Rouge verwende ich rosa Tonerde, die kaufe ich im Papiersackerl in einer Drogerie“. Klopapier ohne Plastikverpackung zu finden, stellte sich als sehr schwierig heraus.
Schließlich fand die Familie Papierhandtücher aus Recycling-Material, die sie allerdings erst in kleinere Stücke schneiden muss.
Nicht in allen Bereichen verzichtet die Familie aus der Nähe von Graz auf Plastik. Computer und Handy verwenden die Fünf, aber sehr sparsam: „Wir wollen nicht in den Verschwendungskreislauf einsteigen und benutzen gebrauchte Geräte – bis sie auseinander fallen“, so Krautwaschl. Auch Fahrradhelme und Regenjacken haben die Fünf behalten.
„Es gibt mit Bienenwachs abgedichtete Biobaumwolljacken, die kosten aber sehr viel, und unser Versuch sollte kein Luxusprojekt werden.“
Durch die Umstellung spart die Familie sogar Geld. Für Lebensmittel – das meiste wird direkt vom Biobauern geliefert – gibt sie etwas mehr aus als früher, in vielen anderen Bereichen aber deutlich weniger.
„Für mich ist es kein Verzicht, sondern eine Befreiung“, meint Sandra Krautwaschl, „das ,Zuviel‘ zu reduzieren ist sehr erleichternd.“ Früher hat sie fast jede Woche einen Sack mit Plastikmüll gefüllt, mittlerweile ist es etwa ein halber pro Jahr. „Das ist ein riesiger Erfolg“, freut sich die tatkräftige Frau, „es ist schon einiges in Gang gekommen, aber fertig ist es noch lange nicht.
Es braucht noch viele Menschen, die sich darum kümmern.“