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20.04.2015

Bischofssynode: Hohe Erwartungen an Neuakzente bei Familienthema

Feldkircher Pastoralamtsleiter Schmolly berichtet in Wien über Resonanz auf 46 Fragen aus Rom.

In Österreich herrschen hohe Erwartungen im Hinblick auf die Bischofssynode zum Thema Familie im kommenden Herbst in Rom: Die Rückmeldungen auf die 46 Fragen des Synodensekretariats im Vatikan aus den österreichischen Diözesen zeigen Hoffnungen auf neue Akzente hinsichtlich der kirchlichen Lehre zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Sexualmoral, berichtete der dafür zuständige Koordinator, der Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly, am Montag, 20. April 2015 in Wien.

 

Er war einer der Referenten beim ersten Medienstudientag zu Kirche und Familie, das das Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz und der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) mit rund 80 Interessierten im Kardinal-König-Haus veranstalteten.

 

Kirchliche Lehre soll "ergebnisoffen" diskutieren

Aus den gebündelten und mittlerweile an Rom weitergeleiteten Rückmeldungen geht laut Walter Schmolly weiters hervor, dass diese die Bedeutung des Gewissens für ehe- und familienbezogene Fragestellungen noch zu wenig gewürdigt habe. Als positiv wurde der von Kardinal Christoph Schönborn bei der vergangenen Synode stark forcierte Grundsatz der "Gradualität" bewertet: Er besagt, dass nicht nur dem christlichen Eheideal mit Wertschätzung zu begegnen sei, sondern auch noch "unvollkommenen" Vorstadien bzw. den Schritten auf dem Weg dorthin.

 

Kritisch angemerkt hätten manche Stimmen aus den Diözesen eine manchmal als "paternalistisch" empfundene Sprache, etwa wenn Alleinerzieher-Familien oder Zweitehen unter dem Attribut "verwundete" Familienformen abgehandelt würden. Wie Schmolly berichtete, sei die im Februar und März erfolgte Befragung eher qualitativ ausgerichtet gewesen - im Unterschied zur breiten, diözesan unterschiedlich erfolgten im Vorfeld der außerordentlichen Synode im vergangenen Herbst. In dem "Kompromisspapier", das die Ergebnisse der ersten Etappe des von Papst Franziskus als "geistlicher Prozess" angelegten Auseinandersetzung der Weltkirche mit dem Thema Familie zusammenfasste, erscheine die Kirche sowohl als "Wegbegleiterin" als auch als eine Art "Erzieherin".

 

Darin spiegle sich die nach wie vor bestehende Uneinigkeit unter den Synodenvätern, ob es bloß darum gehe, die an sich gute Kirchenlehre besser zu vermitteln, oder ob es demgegenüber nötig sei, die bisherige Lehre "ergebnisoffen" zu diskutieren. Der Papst wolle letzteres, so Schmolly. Der von Franziskus angestoßene "geistliche Prozess" solle demnach ein "gemeinsamer Weg der Bischöfe unter Einbeziehung des ganzen Gottesvolkes" sein. "Hören" sei in diesem Prozess ein zentraler Begriff; laut dem Papst habe die Kirche damit zu rechnen, dass Gott sie in ihrer Wahrnehmung von Familie in all ihren Formen in "Neuland" führen wolle. Nicht umsonst sei unter diesen Vorzeichen von vielen ein neuer, die Kollegialität unterstreichender Stil in der Kirche gewürdigt worden, sagte Schmolly.

 

Kirche ein "Reibebaum"

Der Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, deren Bischof Benno Elbs zum Vertreter der Österreichischen Bischofskonferenz bei der kommenden Synode gewählt wurde, wies freilich auch auf hemmende Faktoren hin, die mitschwingen, wenn sich Kirche heute zum Thema Familie äußert: Schmolly nannte die Institutionenskepsis des modernen Menschen, zumal werde gerade der Kirche als "Moralinstitution" nicht mehr automatisch Autorität zugebilligt. Sie diene vielen vielmehr als "Reibebaum" in einem gesellschaftlichen Umfeld, das derlei oft gar nicht mehr bietet. Gerade jungen Menschen gingen heute sehr pragmatisch mit Idealen um, die nicht mehr eindeutige umzusetzende Vorgaben seien, sondern Orientierungspunkte, die verschiedenen Lebenssituationen angepasst würden.

 

Weitere Referenten des Medienstudientags waren der des deutsche Medienpädagoge und Kommunikationswissenschaftler Prof. Andreas Büsch und die "Kurier"-Journalistin und stellvertretende Chefredakteurin Martina Salomon. Am Nachmittag folgten drei Praxisbeispiele zum Thema Medienkompetenz sowie im Anschluss zwei Workshop-Runden zu den Themen "Familie öffentlich-rechtlich" u.a. mit KFÖ-Präsident Alfred Trendl und dem ORF-Public Value-Beauftragten Klaus Unterberger, zum Thema "Familie digital" mit der "Presse"-Journalistin und Web-Expertin Anna-Maria Wallner und dem Projektleiter des neuen Wiener diözesanen Webprojekts meinefamilie.at, Andreas Kastenmeier, sowie zum Thema "Familie erzählen" mit dem Filmproduzenten Golli Marboe und der Chefredakteurin der Zeitschrift "Welt der Frau", Christine Haiden.