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12.05.2015

Caritas zu erneutem schwerem Beben in Nepal: Menschen in Panik

Caritas-Helferin Stemerdink-Herret: "Angst steckt allen in den Gliedern".

17 Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal hat ein weiteres gewaltiges Beben mit der Stärke von 7,3 den Himalaya-Staat am Dienstag, 12. Mai erschüttert. Das Epizentrum lag nordöstlich von Kathmandu.

 

"In Kathmandu liefen die Menschen panisch auf die Straße. Die Angst steckt allen in den Gliedern", berichtete die österreichische Caritas-Helferin Judith Stemerdink-Herret, die das neue schwere Erdbeben im Stadtzentrum von Kathmandu miterlebte. "Es hat auch bereits mehrere Nachbeben gegeben. Die Menschen versuchen, ihre nächsten Angehörigen zu erreichen."

 

Laut ersten Medienberichten hat auch das neue Erdbeben wieder Todesopfer gefordert. In der rund 40 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu gelegenen Stadt Chautara seien vier Tote aus den Trümmern eingestürzter Gebäude geborgen worden, sagte laut APA ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Dienstag. Mehrere Verletzte wurden nach Behördenangaben in ein Krankenhaus gebracht. Behörden zufolge gab es in der Provinz rund um Chautara drei große Erdrutsche. Die Region war schon bei dem letzten Beben am stärksten betroffen. Auch im benachbarten Indien kamen nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen durch das neue Beben um.

 

Umfangreiche Hilfe der Caritas International

Das Caritasnetzwerk stellt derzeit 3,3 Millionen Euro für die Nothilfe sowie zusätzlich 2,7 Millionen Euro an Sachleistungen zur Verfügung. Damit erhalten 20.000 Haushalte oder 100.000 Menschen Hilfsgüter wie Zelte und Plastikplanen oder Hygieneartikel. Die Caritas Hilfe konzentriert sich auf die besonders betroffenen Gebiete Ghorka und Sindhupalchok. Die Caritas Österreich hat für die erste Nothilfe 525.000 Euro bereitgestellt. Vor dem Monsun brauchen die Menschen jetzt dringend Zelte.

 

Am 25. April 2015 war Nepal von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Nach jüngsten Angaben kamen mehr als 8.000 Menschen ums Leben, etwa 16.000 weitere wurden verletzt. Schätzungen der Behörden zufolge wurden beinahe 300.000 Häuser vollständig zerstört und rund 250.000 weitere stark beschädigt. In vielen schwer zugänglichen Tälern wurde das Ausmaß der Schäden allerdings immer noch nicht vollständig erfasst.

 

Zur langfristigen Hilfe für die Erdbebenopfer in Nepal rief die deutsche Caritas auf. Auch der Tourismus solle so schnell wieder angekurbelt werden, hieß es in einer Aussendung. Die Begleitung des Wiederaufbaus werde Jahre dauern, so der Koordinator der Nepal-Hilfe, Stefan Teplan. Langfristig gehe es beispielsweise darum, beim Bau erdbebensicherer Häuser zu helfen. Zudem engagiere sich das Hilfswerk der katholischen Kirche in der psychosozialen Begleitung von trauernden Menschen. "Der Bedarf ist sehr groß, ich bin vielen traumatisierten Menschen begegnet, die stumm geworden sind, nachdem das Unfassbare über sie hereingebrochen ist", so Teplan.

 

Derzeit sei es am Wichtigsten, Zelte und Planen zu den Überlebenden auch in die schwer erreichbaren Bergdörfern zu bringen. "Die Menschen wissen, dass in wenigen Wochen der zweimonatige Monsun beginnt, mit Dauerregen Tag und Nacht."

 

Teplan appellierte an Touristen, auch künftig wieder in den Himalayastaat zu reisen, da die Bevölkerung auf diese Einnahmen angewiesen sei. "Wenn keine Touristen mehr kämen, würde das den Menschen sehr schaden. Aus meiner Sicht ist es eine direkte Hilfe für Nepal, den Tourismus schnell wieder zu fördern."