Für mich stellt sich schon die Frage, was es bedeutet, in einer Beziehung „perfekt“ zu sein: Dauerlächeln, permanent ansprechbar, immer in der richtigen Nähe bzw. Distanz, unmißverständliche Kommunikation?
Das schaffen wohl nur chipgesteuerte Barbiepuppen.
Ich denke, für Kinder ist es wichtig, dass sie authentische Eltern erleben – Mütter und Väter, bei denen Worte und Taten zusammenpassen.
Und die dürfen auch einmal ungerecht sein, im Stress laut werden, die Nerven verlieren.
Durchatmen – und dann dem Kind erklären, was zu dieser Reaktion geführt hat:
Oft liegen ja die Ursachen im Job, in der Mehrfachbelastung, in Konflikten mit anderen Menschen. Das Verhalten des Kindes war dann nur der berühmte Tropfen.
Wenn Kinder erleben, dass sich Eltern bei ihnen entschuldigen, wird es ihnen selber beim nächsten Mal auch leichter fallen.
Aus dem Fehler wird ein „Lerngeschenk“ – oder wie kürzlich ein Volksschüler in einem Radiobeitrag stolz verkündet hat: „Unsere Frau Lehrerin hat gesagt, Fehler sind unsere Freunde!“
Wichtig ist, dass ich meine Fehlhaltung erkenne und dann möglichst rasch wieder die Selbststeuerung übernehme – nach der Erkenntnis Viktor Frankls: „Ich muss mir von mir selber nicht alles gefallen lassen!“
In Fehlern liegen also viele Chancen: sich selber besser kennenlernen, an der Beziehungskultur arbeiten – und immer wieder Versöhnung erleben.
Voraussetzung ist das Fundament im Sinne des Heiligen Augustinus: „Liebe – und tue was du willst!“.