Kardinal Christoph Schönborn hat am Donnerstagabend, 14. Mai 2015 beim Gedenkgottesdienst für Prälat Alexander Ostheim-Dzerowycz das Lebenswerk des am Karfreitag im 81. Lebensjahr verstorbenen langjährigen ukrainisch-katholischen Zentralpfarrers und Generalvikars für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich gewürdigt.
Das Requiem in der Wiener ukrainisch-katholischen Kirche St. Barbara mit der anschließenden Panichida (Totengedächtnis) fand nach ostkirchlicher Tradition 40 Tage nach dem Tod des Prälaten statt. Er sei von großer Dankbarkeit für die langjährige Tätigkeit des Prälaten im Dienst der griechisch-katholischen Christen erfüllt, unterstrich der Wiener Erzbischof.
Kardinal Schönborn - der auch Ordinarius für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich ist - erinnerte insbesondere auch an den Einsatz von Ostheim-Dzerowycz für die Wiedererlangung der Freiheit der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in der Heimat. Der Kardinal, der am 10. Dezember des Vorjahrs in Kiew Vertreter von Papst Franziskus bei der Feier zum 25. Jahrestag der Wiederzulassung der griechisch-katholischen Kirche war, fügte hinzu: "Es hätte Alexander Ostheim-Dzerowycz Freude gemacht, wenn er in Kiew hätte dabei sein können."
In seiner Predigt unterstrich der Wiener Erzbischof im Hinblick auf den Evangeliumstext zum Fest Christi Himmelfahrt, dass es darum gehe, Zeugnis für Christus zu geben. Die ukrainischen griechisch-katholischen Christen hätten das in der Verfolgungszeit eindrucksvoll gelebt.
Als Beispiel aus der gegenwärtigen Verfolgungszeit hob Kardinal Schönborn als beeindruckendes Zeugnis jenes vom christlichen Satellitensender SAT 7 im März ausgestrahlte Video hervor, in dem das zehnjährige, von IS-Terroristen vertriebene irakische christliche Mädchen Myriam auftritt. Sie schildert, dass sie Gott bittet, den Terroristen zu vergeben, und sie singt anschließend ein Lied, das die Vergebung preist. Dieses Video wurde im Nahen Osten mehr als eine Million Mal abgerufen.
Hauptzelebrant des Requiems war der Nachfolger von Ostheim-Dzerowycz als Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus, Yuriy Kolasa; als Konzelebranten fungierten die griechisch-katholischen Priester der verschiedenen Sprachgruppen (ukrainisch-, rumänisch-, arabischsprachige Christen). Beim Gottesdienst waren u.a. auch der ukrainische Botschafter Oleksander Scherba sowie "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte und "Pro Oriente"-Vizepräsident Prof. Rudolf Prokschi anwesend.
Auch Generalvikar Kolasa verwies in seinen Gedenkworten auf den wichtigen Beitrag seines Vorgängers zum Dialog der griechisch-katholischen Kirche mit der sowjetischen Regierung, um die Freiheit der Kirche wiederzuerlangen. Durch seine persönlichen Interventionen in diesem Bereich habe Ostheim-Dzerowycz - über seinen 42-jährigen Dienst an den katholischen Gläubigen des byzantinischen Ritus in Österreich hinaus - eine historische Rolle gespielt. Die Gläubigen würden in großer Dankbarkeit des verstorbenen Prälaten und seiner Liebe zu Gott und zur Kirche gedenken.
Einer der priesterlichen Schüler von Prälat Ostheim-Dzerowycz, Msgr. Franz Schlegl, erinnerte an die klaren Worte des verstorbenen Prälaten zu Glaubensfragen und aktuellen Problemen. Schlegl erwähnte Ostheims Liebe zur Liturgie und zur byzantinischen Kirchenmusik, seine Verdienste um das Kirchenrecht und seine quasi-konsularische Tätigkeit, wenn er im Gespräch mit der Botschaft der UdSSR Ukrainern aus verschiedenen Teilen der Welt bei der Erlangung von Einreisegenehmigungen in die Heimat behilflich war.
Alexander Ostheim-Dzerowycz wurde 1934 in der damals polnischen Westukraine geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Wien, nach Studien in Rom wurde er am 25. Dezember 1960 zum Priester geweiht. Nach Jahren pastoraler Tätigkeit in Kanada - wo es eine starke ukrainische Emigration gibt - übernahm Ostheim-Dzerowycz 1969 die Leitung der Wiener griechisch-katholischen Zentralpfarre St. Barbara, die in der Zeit der kommunistischen Unterdrückung als östlichster Vorposten einer ukrainisch-katholischen Kirche in Freiheit besondere Bedeutung hatte. 1996 wurde er von Kardinal Christoph Schönborn zum Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in ganz Österreich ernannt, diese Funktion hatte er bis 2011 inne.