Die Weltkirche hat zwei neue arabische Heilige: Papst Franziskus hat am Sonntag, 17. Mai 2015, die beiden palästinensischen Ordensfrauen Maria Alfonsina Danil Ghattas und Maria von Jesus dem Gekreuzigten heiliggesprochen - es war ein internationales Glaubensfest auf dem Petersplatz mit tausenden Pilgern aus dem Heiligen Land, darunter Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der Franziskus am Samstag bereits unter vier Augen traf, wie "Radio Vatikan" berichtete.
In seiner Predigt bezeichnete der Papst die im 19. Jahrhundert geborenen Frauen als leuchtendes Beispiel für die gelebte Nachfolge Christi. Neben den beiden palästinensischen Ordensfrauen erhob der Papst am Sonntag auch die Ordensschwestern Jeanne Emilie de Villeneuve aus Frankreich und Adelaide Brando aus Italien zur Ehre der Altäre.
Maria Alfonsina Danil Ghattas und Maria von Jesus dem Gekreuzigten, die beide im 19. Jahrhundert im Heiligen Land wirkten, sind die ersten Heiligen aus der Stammregion des Christentums in der Neuzeit. An der feierlichen Messe nahmen alleine 2.100 Pilger aus Israel, Jordanien und den Palästinensergebieten teil, die mit dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zur Heiligsprechung nach Rom gekommen waren. Auch Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas und eine israelische Delegation waren vor Ort. Aus Frankreich war Innenminister Bernard Cazeneuve angereist. Insgesamt war der Petersplatz komplett gefüllt, seit den frühen Morgenstunden strömten Gruppen aus Italien, Frankreich und dem Heiligen Land vor die Basilika. Das Ereignis wurde von einem hohen Sicherheitsaufgebot begleitet. Die Heilige Messe, in die die Heiligsprechungen eingebettet waren, wurde über die Medien auch in den palästinensischen Autonomiegebieten aufmerksam verfolgt, wo Christen nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen.
In seiner Predigt bezeichnete Franziskus die im 19. Jahrhundert geborenen Frauen als leuchtendes Beispiel für die gelebte Nachfolge Christi. Durch ihre tätige Nächstenliebe und ihr Gebet stünden sie für die ununterbrochene Weitergabe der Botschaft Jesu und seien somit Vorbilder für alle Christen.
"In der Nachahmung der Apostel ist tatsächlich jeder Jünger Christi berufen, Zeuge von dessen Auferstehung zu werden, vor allem in jenen menschlichen Bereichen, wo Gott am stärksten in Vergessenheit geraten ist und der Mensch sich verloren hat", so Franziskus vor mehreren Zehntausend Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz.
Die Verkündigung des Evangeliums sei jedoch keine individuelle Aufgabe, sondern könne sich nur in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche vollziehen. Angefangen von den Aposteln als Augenzeugen der Auferstehung gebe sie den Glauben von Generation zu Generation weiter. Jesus habe seine Gemeinde zur Einheit aufgerufen. Nur in brüderlicher Gemeinschaft könne die Kirche seinem Weg folgen, wie es die neuen Heiligen trotz vieler Widerstände getan hätten.
Ein Wesensmerkmal des christlichen Zeugnisses ist die Einheit der Christenheit, so Papst Franziskus. Aus dieser Liebe nährten sich der christliche Auftrag und die christliche Gemeinschaft, fuhr der Papst fort, der auf die neue Heilige Mariam Baouardy aus Abellin in Galiläa zu sprechen kam: "Daraus entspringt immer neu die Freude, dem Herrn auf dem Weg der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams zu folgen; und dieselbe Liebe ruft dazu auf, das kontemplative Gebet zu pflegen. Dies hat auf hervorragende Weise Schwester Maria Baouardy erfahren, die - demütig und Analphabetin - extrem klare Ratschläge und theologische Erklärungen zu geben verstand, die Frucht eines beständigen Dialoges mit dem Heiligen Geist waren. Ihre Fügsamkeit dem Heiligen Geist gegenüber hat sie auch zum Instrument der Begegnung und der Einheit mit der muslimischen Welt gemacht."
Hierfür stehe in ähnlicher Weise Maria Alfonsina Danil Ghattas, so Franziskus: "Auch sie hat gut verstanden, was es bedeutet, im Apostolat die Liebe Gottes auszustrahlen und zur Zeugin der Sanftmut und Einheit zu werden. Sie gibt uns ein klares Beispiel dafür, wie wichtig es ist, gegenüber anderen Verantwortung zu übernehmen und im gegenseitigen Dienst am Nächsten zu leben." Der Orden der 1843 in Jerusalem geborenen Maria Alfonsina Danil Ghattas macht sich bis heute im Heiligen Land für Erziehung und interreligiöse Verständigung stark und führt dort zahlreiche Schulen, die von Muslimen wie Christen geschätzt werden.
Neue Heilige aus Frankreich und Italien: Barmherzigkeit mit Menschen am Rande
Im Dienst am Nächsten sei auch die französische Ordensschwester Jeanne Emilie de Villeneuve ein Vorbild gewesen, so Franziskus weiter. Das Geheimnis und die Fruchtbarkeit der Heiligen liege darin, "in Christus zu bleiben", so der Papst. "Und diese Frucht ist nichts anderes als Liebe. Diese Liebe erstrahlt im Zeugnis von Schwester Jeanne Emilie de Villeneuve, die ihr Leben Gott und den Armen geweiht hat, den Kranken, den Häftlingen, den Ausgebeuteten, und für sie und alle zum konkreten Zeichen der barmherzigen Liebe des Herrn wurde."
Diese Verbundenheit mit Gott lasse alle Hindernisse überwinden, erinnerte der Papst. Das zeige auch das Wirken von Maria Cristina (Adelaide) Brando aus Italien: "Sie wurde komplett von der glühenden Liebe für den Herrn erfasst; durch aus dem Gebet, aus der Begegnung Herz an Herz mit dem auferstandenen Jesus, der in der Eucharistie anwesend ist, erhielt sie die Kraft, um die Leiden auszuhalten und sich wie gebrochenes Brot vielen Menschen hinzugeben, die von Gott entfernt waren und die nach authentischer Liebe hungerten."
Der Papst hatte beim Konsistorium am 14. Februar die Heiligsprechung von Maria Baouardy (1846-1878), Maria Alfonsina Danil Ghattas (1843-1929) sowie der französischen Ordensfrau Jeanne Emilie de Villeneuve (1811-1854) und der italienischen Ordensfrau Adelaide Brando (1856-1906) offiziell angekündigt.
Danil Ghattas gründete den bis heute in Jerusalem populären Orden der Rosenkranzschwestern. Brando rief den Orden der Sakramentinerinnen ins Leben. De Villeneuve ist Gründerin des Ordens der Schwestern von der unbefleckten Empfängnis, der sich vor allem um Bildung für Kinder aus armen Familien kümmert. Baouardy, genannt auch Maria von Jesus dem Gekreuzigten, war eine Karmelitin aus Galiläa. Obwohl Analphabetin, habe sie theologische Deutungen von großer Klarheit hinterlassen, hob Franziskus hervor.