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18.05.2015

Ist Konsum nachhaltig?

Autorin und Erziehungswissenschaftlerin Marianne Gronemeyer zum Thema Nachhaltigkeit

Ökowaschmittel, Bio-Schweinsbraten oder Fairtrade-Schokolade: Wer heute die Welt retten will, greift einfach ins Supermarktregal – und konsumiert das gute Gewissen gleich mit. Selbst konventionelle Billig-Supermärkte führen längst Bio-Äpfel und Fleisch vom Biobauernhof.


Der Langstreckenflug im Urlaub lässt sich dann mit weit weniger Skrupel antreten, denn man hat ja ohnehin genug aufgepasst, zuvor, im Supermarkt.

 

Umwelterziehung und ähnliche Disziplinen lehren uns genau das: Verantwortung beim Konsum.

 

Damit lehren sie uns aber vor allem auch eines, kritisiert die Autorin und Erziehungswissenschafterin Marianne Gronemeyer, nämlich zu konsumieren: „Die Konsumenten mit ökologisch geschärftem Bewusstsein sind informierter, wählerischer, qualitätsbewusster und anspruchsvoller – also bessere Konsumenten.

 

Aber sie verkennen ihre Lage und glauben an ihre Wahlfreiheit und Verantwortlichkeit, sie wähnen sich souverän, wenn sie sich aus dem Supermarkt der Offerten nicht wahllos, sondern als kundige Kunden bedienen.“


Die Idee, nicht nachhaltige Produkte und Verhältnisse durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen, sei von Anfang an gescheitert, meint Gronemeyer: „Wo immer sogenannte Alternativen installiert werden, verdoppelt sich das Wachstum.

 

Die guten Alternativen expandieren ebenfalls, und zwar besten Gewissens. Denn sie berufen sich auf ihre Nachhaltigkeit, wähnen sich im Recht und in der Pflicht, sich zu vermehren. Und genauso soll es ja auch sein, in der Wachstumsgesellschaft. Nachhaltigkeit ist deren Superbluff.“


So komme es, dass die als schädlich entlarvte Mainstreamproduktion von der Kritik an ihr profitiere. Wenn sich die sogenannten Alternativen derselben Mittel wie die Mainstreamprodukte bedienen, dann sind sie eigentlich keine Alternativen, sagt Marianne Gronemeyer. Insofern könne Konsum niemals nachhaltig sein.


Entkommen könne man nur durch Verzicht, so die Autorin, durch Kaufverweigerung statt Kaufentscheidungen.

 

Nur so könne ein Ort entstehen, in dem nicht alles, was zum Leben nötig ist, Geld kostet, in dem Kooperation und Teilen notwendig für das Überleben sind, und in dem Fürsorge mehr zählt als Vorsorge.


Marianne Gronemeyer sprach Ende April in der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“, veranstaltet vom Umweltbundesamt.