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18.05.2015

Seligsprechungs-Vorbereitungen: Romero auch "Patron der Caritas"

Letzte Vorbereitungen für Seligsprechung am Samstag, 23. Mai 2015 laufen auf Hochtouren.

Der ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero soll Schutzpatron des weltweiten Caritas-Dachverbands werden. Das teilte Caritas Internationalis zum Abschluss einer Generalversammlung am Sonntag, 17. Mai im Vatikan mit. Romero (1917-1980), der sich besonders für die Rechte der Armen einsetzte, wird kommenden Samstag in San Salvador seliggesprochen.

 

Erst Anfang März hatte der bisherige Präsident von Caritas Internationalis, Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga, den Menschenrechtspreis "Oscar Romero" der Universität Dayton im US-Bundesstaat Ohio erhalten. Zu der Verleihung hieß es, Romero sei einer der Menschen, die die Arbeit von Caritas am meisten inspiriert hätten. Unter dem Dach von Caritas Internationalis sind 165 nationale Caritas-Verbände zusammengeschlossen. Jüngstes Mitglied ist die Caritas Südsudan.

 

In San Salvador laufen indes die letzten Vorbereitungen für die Seligsprechung von "Monseñor Romero", wie der Märtyrerbischof in seinem Heimatland genannt wird. Zu dem großen Gottesdienst am Platz "El Salvador del Mundo" erwarten die Behörden 285.000 Gläubige, zudem haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas ihr Kommen bereits zugesagt. Geleitet wird die Seligsprechung vom Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, sowie von Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, dem "Postulator" und somit Romeros Anwalt im Seligsprechungsverfahren.

 

Drei Präsidenten fix dabei

Nachdem die Regierung von El Salvador alle Staatschefs Lateinamerikas zur Zeremonie eingeladen hatte, haben etliche Staatsspitzen ihr Kommen bereits bestätigt. Dazu zählen laut Außenminister Hugo Martinez die Präsidenten Rafael Correa aus Ecuador, Orlando Hernández aus Honduras, Juan Carlos Varela aus Panama, weiters der Vizepräsident Helio Fallas aus Costa Rica, Premierminister Dean Barrow aus Belize sowie Delegationen aus Mexiko, USA, Brasilien, Chile, Kolumbien, Italien, Nicaragua und Uruguay. Aus Venezuela kam hingegen bislang noch keine Zusage. Neben der politischen Prominenz haben auch fünf Kardinäle, 15 Erzbischöfe und 60 Bischöfe ihre Teilnahme angekündigt.

 

Für Freitag und Samstag hat die Regierung auf Antrag der katholischen Kirche zu arbeitsfreien Tagen erklärt, um somit mehr Gläubigen die Teilnahme an der Zeremonie zu ermöglichen. Für einen reibungslosen Ablauf werden etliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wobei 2.000 Polizisten und 1.700 Soldaten im Einsatz sein werden, gemeinsam mit insgesamt 45.000 Mitgliedern aus Zivilschutz, Feuerwehr, Rotes Kreuz und anderen Hilfsteams. Bereits am Freitag ab 9 Uhr werden dutzende Straßen im Stadtzentrum San Salvadors für den Autoverkehr gesperrt.

 

Am Freitag finden auch schon die ersten "Vorfeiern" statt: Am Nachmittag führt eine große Prozession von der Kathedrale der Hauptstadt bis zum Platz der Seligsprechung, wo laut Behördenangaben viele der Gläubigen im Freien übernachten werden. Darüber hinaus wird die Zeremonie laut dem Onlineportal "La Pagina" in mehreren Landesteilen auf Großbildleinwänden live übertragen, zudem hat der Vatikan für eine weltweite Übertragung des Ereignisses zwei Satelliten angemietet und wird für eine Übersetzung in mehrere Sprachen sorgen.

 

Musikalisch umrahmt wird der große Seligsprechungs-Gottesdienst am Samstag von einem Chor mit Mitgliedern aus ganz El Salvador, der u.a. ein Gedicht des 2010 verstorbenen Schriftstellers Francisco Andreas Escobar in vertonter Form zur Aufführung bringen wird, das dieser unmittelbar nach der Ermordung Romeros verfasst hatte. "Hirte, der du selbst ein Lamm und ein bewundernswertes Beispiel im Glauben warst, möge Gott deinen Tod und das Opfer deines Blutes entgegennehmen", heißt es in dem Text laut einem Bericht des Online-Portals "La Prensa Grafica". Das Gedicht sei höchst aktuell in der momentanen Krise des Landes, "wo wir das wertvollste, was wir haben, verlieren: das Leben", erklärte Salvador Marroquín, der das Stück vertont hat und dirigieren wird.

 

"Happy End" nach langem Verfahren

Romero war im Alter von 62 Jahren am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes in einer Krankenhauskapelle von Unbekannten erschossen worden. Der Erzbischof hatte durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte der Armen und Unterdrückten den Hass reaktionärer Kreise auf sich gezogen. Auftraggeber des Mords waren wahrscheinlich Militärs, doch wurden die Hintergründe der Tat nie genau aufgeklärt. Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillagruppen kamen bis 1992 rund 75.000 Menschen ums Leben.

 

Anfang Februar hatte Papst Franziskus Romero als Märtyrer anerkannt und damit den Weg für eine Seligsprechung freigemacht. Das Verfahren für Romero war 1990 in San Salvador eröffnet und später im Vatikan fortgesetzt worden. Es wurde mehrfach blockiert, weil Romero Beteiligten des Verfahrens als Repräsentant der Befreiungstheologie verdächtig erschien, zudem war zu klären, ob Romero aufgrund seiner Glaubensüberzeugungen oder wegen seiner politischen Parteinahme gegen die damalige Regierung getötet wurde. Benedikt XVI. gab den Prozess im Dezember 2012 wieder frei. Durch Papst Franziskus erhielt er kurz nach seiner Wahl im März 2013 einen neuen Anschub.