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21.05.2015

Es geht nicht um Almosen

Fairer Handel trägt zu Menschenwürde, Entwicklung und Nachhaltigkeit bei.

Ich glaube, man muss sich manchmal verrückte Ziele stecken, wenn man etwas bewegen möchte“, sagt Hartwig Kirner.

 

Mit Freunden gründete er in den 1990er Jahren einen Weltladen in seiner Heimatgemeinde Stockerau.

 

„Wir hatten die Vision, dass irgendwann auch große Kaffeeunternehmen fair gehandelte Produkte anbieten werden“. Die Vision wurde Realität, und Kirner ist mittlerweile Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.

 


Ziel des fairen Handels ist es, dass Kleinbauernfamilien und Plantagenarbeiter in den Ländern des Südens ein sicheres und menschenwürdiges Leben führen können.

 

Ein Anspruch, der wie ein Menschenrecht klingt und doch oft nicht Realität ist. Denn Millionen von Kleinbauern und lohnabhängig Beschäftigten in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern leben in großer Unsicherheit und Armut.

 

Sie leiden unter schwankenden Rohstoffpreisen, immer höheren Lebenshaltungskosten und ausbeuterischem Zwischenhandel. Klimawandel und Ernteverluste verschärfen die Lage. Soziale, gesundheitliche und ökologische Probleme sind die Folgen.


Beim Fairen Handel schließen sich Kleinbauern zu Kooperativen zusammen und beantragen eine Zertifizierung, für die sie auch bezahlen. Kooperativen können oft nicht mehr als ein Drittel ihrer Ernte von Bananen, Kaffee, Kakao oder Rohrzucker unter Fairtrade-Bedingungen verkaufen.  

Faire Lieferkette

„Bei Fairtrade geht es nicht um Almosen“, so Hartwig Kirner. Es geht nicht darum, Spenden zu überweisen, sondern darum, dass die Konsumenten Produkte aus einer fairen Lieferkette beziehen.

 

Eine Fairtrade-Zertifizierung garantiert den Kooperativen Mindestpreise für ihre Produkte. Beispiel Kaffee: Sinkt der Weltmarktpreis unter den mit der Kooperative vereinbarten Mindestpreis, ist sichergestellt, dass die Kaffeebauern für ihren Kaffee diesen Mindestpreis erhalten.


Bauern in den Fairtrade-Kooperativen bekommen rund zehn Prozent des Abgabepreises an die Genossenschaft als Prämie ausbezahlt.

 

„Ziel ist, damit die Infrastruktur in den dörflichen Gemeinschaften zu verbessern“, unterstreicht Fairtrade Österreich-Chef Hartwig Kirner. Das kann bedeuten, dass sanitäre Anlagen eingerichtet werden, oder eine Schule gebaut werden kann. „Die Menschen wissen selbst, was für sie notwendig ist“, so Kirner, „daher entscheidet die Kooperative, wofür die Prämie verwendet wird“.

 

Inspektoren der internationalen Fairtradeorganisation kontrollieren, ob die Mittel nach demokratischem Beschluss eingesetzt wurden.

 

Der faire Handel verläuft ohne Zwischenhändler, somit kommt der volle Erlös direkt den Produzenten zugute. Kinderarbeit ist verboten, die Produzenten müssen sich an die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation halten.

Bio im Aufwind

Fairtrade bedeutet nicht gleich „bio“. Stellen Kaffee-, Kakao- oder Bananenbauern auf biologischen Landbau um, müssen sie eine dreijährige Wartefrist einhalten, bis sie dafür höhere Preise erhalten.

 

Oft wird auch die Fairtrade-Prämie dafür genutzt auf „bio“ umzustellen. „Sieben von zehn Fairtrade-Produkten in Österreich sind gleichzeitig bio-zertifiziert“, weiß Hartwig Kirner.

 

Er erkennt auch, dass sich Handelsstrukturen mehr in Richtung Fairness wandeln: „Zum Teil ist es schon gelungen, und wir werden massiv daran arbeiten, diese Vision Realität werden zu lassen“, sagt der Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.