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27.05.2015

"Pfarre Neu": Hoffnung auf eine missionarische Kirche

Mit 1. Juni gibt es die erste "Pfarre Neu" – "Zum Göttlichen Wort" in Wien-Favoriten, dann folgt am 1. September "Christus am Wienerberg".

"Die Pfarren in Wien-Favoriten sind schon mehr als mitten drinnen im Diözesanprozess und unsere drei Pfarren St. Johann Evangelist, Zur Heiligen Familie und Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit werden ab Juni gemeinsam die Pfarre 'Zum Göttlichen Wort' bilden", erzählt die stv. PGR-Vorsitzende der Pfarre St. Johann Evangelist, Barbara Radlmair: "Ein anstrengender Weg liegt hinter uns und ein weiteres Stück – vielleicht realistischer und noch mal anstrengender – liegt noch vor uns."

 

Nach vielen Treffen im gesamten Dekanat ging es wirklich los: "Das Herausfinden der je eigenen Schwerpunkte, nach Charismen gegliedert, nach Arbeitsschwerpunkten, nach Projektteam. Der Kalender hatte kaum noch freie Abende zu bieten – und trotz Kennenlernens neuer, netter, interessierter Christen und Christinnen, hatte ich ab und zu den Eindruck – so kann es nicht weitergehen", sagt Radlmair im Rückblick. Um zu verhindern, dass "ausschließlich das Organisatorische, der finanzielle Aspekt des Neustrukturierungsprozesses im Vordergrund steht", wurde mit einem monatlichen Gebetsabend zur Begleitung des Prozesses begonnen. Radlmair hofft "auf einen spannenden Weg nach der Zusammenlegung zur Pfarre Neu".

 

Charismen im „Nachbar-Teller“

"Ich fürchte, unsere Pfarren tendieren dazu, 'Insider-Treffs' mit pastoraler Servicefunktion zu sein. Der Zwang, nicht nur über den Tellerrand hinaus zu schauen, sondern sogar in den Nachbarteller einzutauchen, erfordert schon Mut und das notwendige Umdenken", sagt Gerhard Schüttenberger, stv. PGR-Vorsitzender der Pfarre "Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit": "Wir werden in den Nachbar-Tellern neue Charismen entdecken, neue Ideen, neue Spiritualitäten."

 

"Manches, was vorher nicht möglich war, werden wir gemeinsam leichter anpacken und neu auf die Beine stellen können", ist er überzeugt. "Ich glaube, im Wesentlichen überwiegt jetzt die Spannung und Neugierde auf das Neue", sagt er.

 

Den Pfarren, die noch nicht so weit vorangekommen sind, empfiehlt er: "Lasst den Zweiflern und Skeptikern genügend Raum, ihre Ängste und Sorgen auszusprechen, achtet darauf, dass sie im Prozess nicht zurückbleiben und verlorengehen und vertraut auf den Heiligen Geist. Schiebt Zahlen und Fakten auf die Seite und lernt einander auch als Menschen kennen … nicht nur als 'Funktionäre'."

 

"Bewährtes behalten, Neues zulassen"

"Pfarre neu ist eine Chance, dass viele Menschen ihre Talente und Charismen in einem größeren Bereich einbringen können. Jede einzelne Gemeinde kann Schwerpunkte setzen – nicht jeder muss alles können und/oder anbieten", unterstreicht Roswitha Jily, stv. PGR-Vorsitzende der Pfarre "Zur Heiligen Familie".

 

Eine große Herausforderung werde Mission (die ein Auftrag an die "Pfarre Neu" ist) sein   – vor allem im Sonnwendviertel. Schon jetzt gebe es viele gemeinsame Arbeitsgruppen mit gemeinsamen Aktivitäten in der baldigen Pfarre neu "Zum Göttlichen Wort": Sternsingeraktion, Wärmestube der Caritas, Punschstand am Keplerplatz im Advent, zwei gemeinsame PGR-Klausuren, gemeinsame Firmung im Herbst, gemeinsame Pfarrzeitung "Dreiklang".

 

Den anderen Pfarren empfiehlt Jily: "Die Gemeinde regelmäßig über Aktuelles informieren, offen über Sorgen und Probleme sprechen und dadurch gegenseitiges Vertrauen stärken sowie Bewährtes behalten und Neues zulassen."

 

"Eine Belebung der Gemeinden"

Die Pfarre neu "Christus am Wienerberg", sie wird am 1. September errichtet, bringt Christoph Steurer, Stv. PGR-Vorsitzender der Pfarre "Salvator am Wienerfeld", "viel Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft. Wir können Synergien nützen, Schwächen ausgleichen und Stärken ausbauen."

 

Bereits jetzt sei eine Belebung der Gemeinden spürbar, freut er sich. Zu Beginn hatte er "Sorgen um die Zukunft der eigenen Gemeinde, denn: Wir sind eine kleine Gemeinde und somit befürchtete ich ein Auflösen und Aussterben. Viele Gespräche und die Rücksicht der anderen Gemeindemitglieder auf unsere Bedürfnisse halten diese Sorgen klein". Steurer empfiehlt, "von Anfang an offen und ehrlich zu sein". Denn: "Sorgen und Bedürfnisse gehören immer gleich geklärt – Angst oder Frust blockiert und erschwert die Zusammenarbeit."

 

Hoffnung auf "junge Kirche"

Mit "Pfarre Neu" verbindet Michaela Haager, stv. PGR-Vorsitzende in der Apostelpfarre, „Hoffnungen auf ein neues, junges und speziell im 10. Bezirk in der Bevölkerung positives und präsentes Auftreten einer jungen Kirche".

 

"Der zusätzliche Arbeitsaufwand neben dem normalen Ablauf des Kirchenjahres ist sehr intensiv und geht manchmal an unsere Grenzen", sagt Haager: "Unser Gemeindegebiet hat sich ja sowohl um das ehemalige Karmel-Gebiet vergrößert und außerdem wurden die Pfarrgrenzen – z. B. am Wienerberg – ausgeweitet. Dort bedarf es einer intensiven, seelsorgerischen Missionsarbeit – zusätzlich zum normalen Arbeitsprogramm."

 

Die Apostelpfarre sei "eine sehr offene Pfarre". Haager: "Wir versuchen schon seit geraumer Zeit vorbildlich zu sein, andere Gemeinden zu gemeinsamen Aktionen einzuladen bzw. Aktionen anderer Gemeinden zu besuchen."

 

Ihre Empfehlung: "Primär ist es wichtig, dass die PGRs von der Richtigkeit des Weges überzeugt sind. Außerdem sollten nicht vorrangig die örtlich nächstgelegenen Pfarren zusammengehen: Wichtig ist ein Miteinander-Können."

 

Aufgabenteilung ist Gebot der Stunde

"Ich erwarte eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden unserer Pfarre neu und hoffe auf die von Kardinal Schönborn öfters erwähnte Entlastung der einzelnen Teilgemeinden. Stichwort: Nicht jede Gemeinde muss in Zukunft alle Aufgaben einer Pfarre erfüllen – also Aufgabenteilung", sagt Christoph Krebs (stv. PGR-Vorsitzender der Pfarre „Franz von Sales“).

 

Krebs: "In unserer Pfarrgemeinde ist noch immer die Sorge zu spüren, dass künftig die Gemeinde mit der Pfarrkirche dominiert und den anderen Gemeinden etwas weggenommen wird, etwa in finanzieller Hinsicht oder bei wichtigen Festen…"

 

Seine Empfehlung für alle, die noch auf dem Weg zur "Pfarre Neu" sind: "Redet miteinander, sprecht offen über eure Sorgen, Befürchtungen und habt keine Angst. Wenn ihr euch unsicher fühlt, seid gewiss: Die Leitung der Erzdiözese hat auch noch keine fertigen Lösungen, arbeitet gemeinsam daran."

 

Dechant Felber: Auf Charismen achten

"Als Steyler Missionar sehe ich die missionarische Herausforderung darin, dass uns allen gemeinsam die eine oder andere missionarische Initiative gelingt, vor allem Wege des Zugehens auf möglichst viele Menschen, die guten Willens sind", sagt Dechant P. Matthias Felber SVD, Pfarrer der ersten "Pfarre Neu" "Zum Göttlichen Wort": "In unserem Fall geht es auch um das spannende Zu- und Miteinander von bisher drei selbständigen Pfarren." Ansatzhaft sieht er "bereits die Dynamik aufkeimen, welche in einer charismenorientierter Pastoral liegt".

 

Neugierig fragt er sich, "wohin Gottes Geist uns führen wird". Felber: "Etwas besorgt bin ich, dass gar nicht wenige so lange brauchen, um zu verstehen, dass sich zwar verwaltungsmäßig einiges ändert, dass Strukturen anders werden, dass aber deswegen weder die Kirche noch die Pfarre vor Ort verschwinden werden. Und dass es auf jede und jeden ankommt."