Die Caritas möchte mithilfe von Politik und Handel die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln substanziell reduzieren. Caritas-Präsident Michael Landau forderte deshalb am Sonntag, 31. Mai 2015 im "Kurier" einen Runden Tisch, der vom Lebensministerium und vom Bundeskanzleramt gemeinsam getragen wird.
Vorbild ist - bis zu einem gewissen Grad - Frankreich, wo per Gesetz verordnet wurde, dass weniger Essen im Müll landet und und es dafür mehr Hilfe für Bedürftige gibt. "Lebensmittel gehören in den Magen und nicht in den Müll. Das heißt, wir brauchen ganz dringend Maßnahmen, die die Verschwendung von Essbaren einschränken", so Landau.
Schon jetzt leisteten Sozialmärkte und auch Projekte wie "Le+O" (Lebensmittel und Orientierung/Caritas Wien) "Beachtliches", sagte Landau und dankte dabei Unternehmen und vielen Freiwilligen, die sich engagierten. Beim Le+O-Projekt der Caritas werden an 16 Abgabestellen in Wien und Umgebung bis zu 10 Tonnen Lebensmittel pro Woche an Bedürftige abgegeben. Die Nachfrage sei so groß, dass man weitere Stellen eröffnen könnte. Abgegeben werden Lebensmittel, Obst, Gemüse, Teigwaren, Konserven oder Hygieneartikel.
Caritaspräsident Landau forderte, dass die Bundesregierung Schritte setzt, um den Anteil der Lebensmittel im Müll um mindestens 20 Prozent zu senken. Zwar müsse niemand in Österreich verhungern, aber es lebten 1,2 Millionen Menschen an und unter der Armutsgrenze. "Viele stellen sich um einen Teller warme Suppe an."
In der Gruft in Wien etwa wurden im Vorjahr mehr als 117.000 Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben, "das ist mehr als je zuvor". Auf der einen Seite gebe es somit erhebliche Verschwendung und auf der anderen Seite Menschen, die diese Lebensmittel dringend bräuchten.
Der Caritas-Präsident sieht Bereitschaft auch beim Handel. Es gebe heute schon viele Initiativen, auch von Seiten des Handels, die dafür sorgten, dass die Lebensmittel bedürftige Menschen erreichten: "Wir haben hier Kooperationen mit Rewe wie mit Spar, und auch mit kleinen und großen Handelsunternehmungen. Aber die Zahl der Bedürftigen nimmt zu."
Beim Gipfel mit der Regierung müsse es jedenfalls um eine 20prozentige Reduktion der weggeworfenen Lebensmittel gehen. Dies sei im auch Regierungsprogramm so festgeschrieben. Landau: "Mein Appell an die Politik ist, das Thema gehört nicht auf die lange Bank geschoben. Es braucht jetzt die Koalition der Willigen - das ist die Selbstverpflichtung des Handels, möglichst wenige Lebensmittel wegzuschmeißen und möglichst viele Kooperationen mit den Karitativen einzugehen, damit mehr Lebensmittel die Armutsbetroffenen erreicht." Die Hilfsorganisationen könnten die Ausweitung im Alleingang nicht stemmen und bräuchen Unterstützung.
Notwendig sei aber auch eine Unterstützung beim Aufbau und Betrieb der Logistik. Dabei könnten Politik, Handel und Hilfsorganisationen eine gute Partnerschaft bilden. "Wenn es das gemeinsame Ziel geben sollte, dass Lebensmittel in den Magen gehören und nicht in den Müll, dann müssen alle zusammen arbeiten: Wirtschaft, Politik und Hilfsorganisationen", fasste Landau zusammen: "Und ich hoffe, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkennt."