Das erste Mal habe ich 1985 bei den Passionsspielen im Chor mitgewirkt und damals war es für mich undenkbar, dass ich einmal auf der Bühne stehen würde“, erzählt Ingrid Riegler, im Zivilberuf Museumskustodin, die heuer bei den Passionsspielen in Kirchschlag als „Maria“, der Mutter Jesu, und im Chor engagiert ist.
Im Jahr 2000 hat das Spiel einige größere szenische Änderungen erfahren und „man ist an mich mit der Frage herangetreten, ob ich die Rolle der Maria Magdalena spielen möchte“, sagt Riegler: „Nach einigen Überlegungen habe ich zugesagt. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich festgestellt, dass ich unglaublich gerne auf der Bühne stehe.“ Ihre Mitwirkung beim Passionsspielchor hat sie bis jetzt nicht aufgegeben.“
Die Rolle der „Maria“ hat sie bereits in der Saison 2010 gespielt. „Ich muss sagen, dass der Wechsel von der Maria Magdalena zur Maria nicht so leicht war, wie ich es mir vorgestellt hatte“, betont sie: „Als Maria Magdalena ist man bei den wichtigen Szenen der Passion wie Kreuzigung und auch der Marienklage mit Maria auf der Bühne und erlebt alles hautnah mit, so dass man glaubt, man braucht nur den Text zu lernen und alles andere ergibt sich ohnehin. Welch’ großer Irrtum!“
Als Mutter von drei erwachsenen Kindern fasziniert Riegler an Maria, „dass sie einen Sohn groß gezogen hat, der nicht stumm und angepasst in seinem Umfeld gelebt, sondern der Missstände aufgezeigt hat und entmutigten Menschen Hoffnung gegeben hat“.
Riegler: „Ich denke, dass seine Mutter auch einen Beitrag geleistet hat, so dass er zu dem Menschen werden konnte, der uns überliefert ist.
Sie muss selbst auch großen Mut besessen haben, sonst hätte sie sich nicht darauf eingelassen, die Mutter Gottes zu werden.“
Außerdem könne sie „wie jede Mutter nachvollziehen, wie unerträglich für sie die Qualen und der Tod ihres Sohnes gewesen sein müssen. Allein die Vorstellung, dass einem meiner Kinder etwas Ähnliches zustoßen könnte erscheint mir grauenhaft.“
Riegler: „Maria steht für mich als Beispiel für alle Mütter, die sich um ihre Kinder sorgen und als Trost für diejenigen, die mit ihren Kindern Kummer und Leid erfahren. Ich hoffe, ich kann dieser Rolle auf der Bühne auch gerecht werden.“
Die Kleinkindpädagogin Sabine Hammer, heuer als „Maria“ und im Chor engagiert, wirkte erstmals im Jahr 2000 bei den Kirchschlager Passionsspielen mit. Da „spielte“ sie dann für zwei Saisonen die Maria Magdalena, heuer stellt sie die zweite Saison „Maria“ dar.
„Mit dieser Rolle der Maria verbinde ich sehr viel, da ich erst seit zweieinhalb Jahren selber Mutter bin, und so gleich einen anderen Zugang zu diesem Thema habe“, erzählt Hammer: „Mir ist wichtig zu zeigen, dass auch damals die Frauen (Maria, Maria Magdalena, Veronika, usw.) sich nicht in Klischees und Zwänge einordnen ließen, sondern ihrer Bestimmung gefolgt sind, und das bis zu einem der größten Leiden, das einem Menschen widerfahren kann.“
Hammer: „Die Passionsspiele sind immer eine Herausforderung an jeden einzelnen und fordern ein gutes Zeitmanagement, doch keine Geschichte ist so zeitgemäß wie diese.“ Sie genießt „sehr die Gemeinschaft, die hier entsteht, und die Freude, die wir haben.
Ich begegne oft Menschen, mit denen ich sonst in den vier Jahren dazwischen nicht sehr viel zusammen komme, sehr intensiv, und das ist eine schöne Erfahrung.“
Nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen „tut sich eigentlich ganz viel an Emotionen“. Wie es überall so ist, es „menschelt“ ganz schön.
Hammer: „Die größte Botschaft, um die es mir geht und die mich am meisten bewegt, ist: Geh’ deinen Weg, Gott ist immer bei dir.
Halte durch, egal, was auch kommen mag. Die Liebe siegt am Ende immer. Es gibt keine größere Kraft auf der Erde als bedingungslose Liebe.“