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11.06.2015

Enzyklika "Laudato si" und "Klimapilger"-Route führen nach Paris

Enzyklika versteht sich nach den Worten des Papstes als Beitrag zum UN-Klimagipfel.

Der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber stellt am kommenden Donnerstag, 18. Juni 2015, gemeinsam mit Kardinal Peter Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, die Umweltenzyklika "Laudato si', sulla cura della casa comune" ("Gelobt seist Du - Über die Sorge um unser gemeinsames Haus der Schöpfung"; nach dem "Sonnengesang" des heiligen Franz von Assisi) von Papst Franziskus vor. Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Pergamon, Ioannis Zizioulas, wird sich ebenfalls zum Klimawandel äußern.

 

Ökumenische Pilger werden Anliegen aufgreifen

Die Enzyklika, an der u.a. Bischof Erwin Kräutler mitgewirkt hat, versteht sich nach den Worten des Papstes als Beitrag zum UN-Klimagipfel, der von 30. November bis 11. Dezember in Paris stattfindet. Erstmals stehen ökologische Fragen im Mittelpunkt eines päpstlichen Lehrschreibens. Initiativen wie der "Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" greifen die Anliegen auf und sollen Druck auf den Klimagipfel machen.

 

Der die Enzyklika präsentierende Schellnhuber zählt zu den renommiertesten Klimaforschern weltweit. Der im bayerischen Ortenburg geborene Physiker ist unter anderem Co-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen sowie Mitglied des Weltklimarates. 1992 gründete er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das er auch als Direktor leitet. Ende April gehörte Schellnhuber zu den Vortragenden einer Klimaschutzkonferenz, die von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Vatikan veranstaltet wurde.

 

Wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte, wurden auf Wunsch des Papstes an alle Ortsbischöfe per E-Mail Arbeitsmaterialien zur Vorbereitung auf die Umweltenzyklika versandt. Sie sollen den Bischöfen helfen, die Anliegen des Schreibens in der Öffentlichkeit zu erklären. Beigefügt sei ein Brief von Kardinal Turkson. Es seien jedoch nur frühere Äußerungen des Papstes zum Thema Umweltschutz verschickt worden, nicht der Text der Enzyklika selbst.

 

Nach G7-Gipfel Warnung von NGOs

Wenige Tage nach dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau warnen unterdessen Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke vor einem Abweichen von den formulierten Zielen. "Der Klimawandel erlaubt keine schmutzigen Deals. Die ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Menschen erwarten von Deutschland Taten statt Worte. Ein Einknicken vor den fossilen Interessen hätte fatale Folgen für die Klimaverhandlungen in Paris", sagte der Klimaexperte des kirchlichen Hilfswerks Misereor, Bernd Bornhorst, am Donnerstag in Berlin. Er äußerte sich beim "Petersberger Klimadialog".

 

Angesichts des Klimawandels rief Bundespräsident Joachim Gauck beim Petersberger Klimadialog die Weltgemeinschaft zu schnellem und entschlossenem Handeln auf. Es sei entscheidend, dass der Pariser Klimagipfel ein Erfolg werde.

 

Gemeinsamer Fußmarsch

Zu einem gemeinsamen Fußmarsch, der den Klimawandel, weltweite Missstände und Nachhaltigkeit im Lebensstil und in der Politik ins Licht rücken will, werden sich im Herbst mehrere Kirchen in Europa, auch in Österreich. So findet der "Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit in Österreich" von 17. Oktober bis 8. November statt und führt von Wien nach Salzburg. Die Aktion ist Teil des europaweiten "Klimapilgerns", mit dem die Kirchen ihrem Anliegen von mehr Gerechtigkeit im UN-Klimavertrag, über den Ende November und Anfang Dezember in Paris verhandelt wird, Ausdruck verleihen wollen. Jedenfalls werden die Klimapilger mit der Enzyklika "Laudato si'" eine gute Nachdenk-Unterlage haben. Dass sie auf den langen Strecken auch das bekannte Lied "Laudato si" singen werden, kann vorausgesetzt werden.

 

Eine Kerngruppe, bestehend aus Vertretern der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz, der Katholischen Frauenbewegung und der Orden, wird die gesamte 22-tägige Strecke durchgehen, welche ungefähr die Route des österreichischen Jakobsweges verfolgt, erklärte Ferdinand Kaineder, Pilgerexperte und Leiter des Medienbüros der Orden, gegenüber "Kathpress". Sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen können teilnehmen und sich - auch tageweise - dem Marsch anschließen. Aufgesucht werden sowohl "Kraftorte" als auch "Schmerzpunkte", die jeweils Positiv-Beispiele als auch "Klimasünden" thematisieren sollen.

 

Weiter geht es von Saarbrücken nach Paris

Von Salzburg können die Pilger nach Saarbrücken weiterreisen und dort an den Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit (www.klimapilgern.de) andocken. Unter dem Motto "Geht doch!" startet am 13. September in Flensburg an der Ostsee der nordeuropäische Klimapilgerweg über Trier nach Paris. Am 27. November erreichen die Klimapilger französische Hauptstadt, wo am 28. November eine interreligiöse Abschlussveranstaltung stattfinden soll.

 

Interessierte können sich ab sofort zum Pilgerweg anmelden, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) am Donnerstag mitteilten. Ein Bündnis aus Landeskirchen, Diözesen, christlichen Entwicklungsdiensten, Missionswerken und Verbänden ist beteiligt. Auch das Mitgehen von Teilabschnitten sei möglich.

 

So wie in Österreich sollen auch auf dem deutsch-französischen Abschnitt Orte wie etwa eine "Klimakommune", die am Pilgerweg liegt, Handlungsoptionen aufzeigen. Die Kommune erzeugt ein Vielfaches ihres Strombedarfs aus Wind, Sonne und Biomasse. Aber auch "Schmerzpunkte" wie etwa ein Kohlekraftwerk sollen auf dem Weg sichtbar werden.