„Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht.“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution „Dei Verbum“ über die Göttliche Offenbarung, 21)
Für das Verkosten dieses Lebensbrotes hat die lateinische Tradition den Ausdruck der „Ruminatio“ geprägt. Wörtlich übersetzt bedeutet er: „das Wiederkäuen“.
So wie dem Propheten Ezechiel der Verzehr einer Schriftrolle geboten wurde, die oberflächlich betrachtet nur „Klagen, Seufzer und Weherufe“ enthielt, in seinem Mund aber „süß wie Honig“ wurde (Ezechiel 2,9 und 3,3), will die Ruminatio das Wort Gottes genießbar machen.
Indem ich es gleichsam durchkaue, also „bei Tag und bei Nacht darüber murmle“ (Psalm 1,2), kann ich seinen lebendigen Sinn schmecken.
Die Substanz dieser Speise ist der Wille Gottes (Johannes 4,34) – der in der Heiligen Schrift erkennbar ist (Markus 10,17 ff.).