Wenn er sich die derzeitigen Gegebenheiten im Flüchtlingslager Traiskirchen vor Augen halte - mit auf den Gängen auf Matratzen übernachtenden Menschen und langen Schlangen bei der Essensausgabe -, fühle er sich an Lager in Jordanien oder im Libanon erinnert, sagte Caritas-Präsident Michael Landau am Donnerstag, 25. Juni 2015 als Studiogast in der "ZiB2". Die zuvor in einem Beitrag dokumentierten Zustände spielten sich aber nicht in Nahost-Ländern ab, in denen sich Millionen von Flüchtlingen aufhalten - "das ist im Herzen Niederösterreichs", wie Landau anmerkte.
Angesichts dessen sei das Scheitern des Asylgipfels am Mittwochabend eine "humanitäre Niederlage", die jene treffe, die hierzulande Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen, wiederholte Landau die am Donnerstag gemeinsam mit Rotem Kreuz und Volkshilfe geäußerte Kritik. Beim Ringen um Lösungen für das momentane Unterbringungsproblem habe er immer wieder den Eindruck von "politischen Spielereien" gehabt. Aus seiner Sicht geht es beim Flüchtlingsthema um Grundsätze, auf denen die Republik fußt - um "Anstand und Humanität".
In der Freitag-Ausgabe, 26. Juni 2015 der "Wiener Zeitung" wies Landau auf die jährlich steigende Unterdotierung der Flüchtlingshilfe in Österreich hin. Die Inflationsrate seit dem Jahr 2004 betrage 25 Prozent, die Tagsätze für die minderjährige Flüchtlinge seien in diesem Zeitraum aber nur um 2 bis 3 Prozent erhöht worden. "Hier sind wir als Hilfsorganisationen am Limit und stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte der Caritas-Präsident.
Es ist wichtig, die Gemeinden zu unterstützen. "Deutschland hat für die Unterstützung der Flüchtlinge nun ein Sonderbudget beschlossen. Vielleicht sollten wir das in Österreich auch andenken." Notwendig sei auch, "heute schon an morgen zu denken" und Vorkehrungen wie Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen zu treffen.