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28.06.2015
Untersuchung vor Abschluss

Papst äußert sich im Herbst zu Medjugorje

Untersuchung der Glaubenskongregation über Echtheit der angeblichen Marienerscheinungen steht vor Abschluss.

Papst Franziskus will sich nach dem Sommer zu den angeblichen Marienerscheinungen in Medjugorje äußern. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am letzten Juni-Wochenende 2015 mit. Er bestätigte auch, dass die vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dazu einberufene Versammlung noch nicht getagt habe. Die sogenannte "feria quarta" werde nach Beratung ihre "Sicht der Dinge" zum Bericht der Medjugorje-Kommission dem Papst weiterleiten, der sich dann ein Urteil bilden wolle.

 

2010 wurde Kommission gebildet

Die Glaubenskongregation hatte 2010 eine internationale Kommission gebildet, die anschließend das Phänomen von Medjugorje untersuchte. Die Kommission steht unter dem Vorsitz des ehemaligen römischen Kardinalvikars Camillo Ruini. Weitere Mitglieder des Gremiums sind mehrere Kardinäle, Bischöfe und kirchliche Fachleute. "Sie haben eine bedeutende Arbeit geleistet", hatte Franziskus bei der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Sarajevo nach Rom vor drei Wochen gesagt.

 

Mit einem Urteil des Papstes ist im Herbst nicht zu rechnen. Bereits in der Vergangenheit hatte sich Franziskus skeptisch zu den angeblichen Marienerscheinungen von Medjugorje in Bosnien-Herzegowina geäußert. Selbst ernannte "Seher" geben an, dass ihnen die Gottesmutter dort regelmäßig zu festen Tageszeiten Botschaften zukommen lasse. Maria sei "keine Oberpostbeamtin", kommentierte Franziskus das Phänomen im November 2013. Anfang Juni sprach er den Vorgängen in Medjugorje die christliche Identität ab.

 

Stichwort: Medjugorje

Medjugorje ist ein kirchlich nicht offiziell anerkannter Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina. Dort soll es seit dem 24. Juni 1981 zu Marienerscheinungen gekommen sein. Sechs Kinder berichteten damals, die Gottesmutter habe sich ihnen gezeigt, während sie Schafe hüteten. Die Erscheinungen dauern nach Angaben der inzwischen erwachsenen Seherinnen und Seher weiter an.

 

Jedes Jahr pilgern Hunderttausende Menschen nach Medjugorje, unter ihnen viele Kranke und Heilsuchende. Um die Pilgerseelsorge hat es immer wieder Kompetenzstreit zwischen Franziskanern, ehemaligen Franziskanern, charismatischen Gruppen und dem Ortsbischof gegeben. Der Franziskanerorden, der Ortsbischof und der Vatikan haben wiederholt versucht, mit Disziplinarmaßnahmen ordnend einzugreifen.

 

1991 formulierte die damalige Jugoslawische Bischofskonferenz Leitlinien zu dem Phänomen. Darin heißt es, es stehe nicht fest, dass die Vorgänge übernatürlich seien. Daraus ergebe sich, dass offizielle Wallfahrten nach Medjugorje nicht möglich seien. Zugleich wird jedoch die Notwendigkeit der seelsorgerischen Betreuung der Pilger unterstrichen. Die Römische Glaubenskongregation hat die Leitlinien bestätigt.

 

Ende Dezember 2009 stattete der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, Medjugorje einen mehrtägigen Besuch ab. Im März 2010 setzte der Vatikan eine Untersuchungskommission für Medjugorje ein. Im Mittelpunkt soll nicht die Bewertung der Phänomene stehen, sondern das geistliche Leben und die Begleitung der Pilger.

 

Papst Franziskus äußerte sich zuletzt wiederholt skeptisch zu den angeblich andauernden Marienerscheinungen von Medjugorje. Maria sei "keine Oberpostbeamtin", kommentierte Franziskus das Phänomen im November 2013. In einer Frühmesse vor knapp drei Wochen sprach er den Vorgängen in Medjugorje die christliche Identität ab.

 

Derzeit berät die vatikanische Glaubenskongregation über die angeblichen Marienerscheinungen und den Wallfahrtsbetrieb in Medjugorje. Die von Papst Benedikt XVI. dazu eingerichtete Kommission habe ihren Bericht abgeliefert. Dieser sei nun an die Glaubensbehörde unter und deren Kardinalsversammlung, die "feria quarta", gegangen. Mit einer Entscheidung wird im Herbst gerechnet.