Erstmals gibt es eine ökonomische Studie, was die Kirche wirtschaftlich leistet und bekommt. Was hat Sie am meisten von den Ergebnissen her überrascht?
Prettenthaler: Dass das Verhältnis von Zahlungsflüssen öffentliche Hand in Richtung Kirche und von kirchlichen Aktivitäten ausgelöste Rückflüsse in die öffentlichen Haushalte nahezu ausgeglichen ist, ist sicher ein großes Aha-Erlebnis.
Es war bekannt, dass Staat und Kirche intensiv zusammenarbeiten. In der Kritik ist manchmal gestanden, dass katholische Privatschulen gefördert werden. Aber dass so viel in die öffentlichen Haushalte zurückfließt, war eigentlich eine Überraschung.
Kirche ist dort stark engagiert, wo der Staat Aufgaben abgibt, etwa im Sozial- und Gesundheitsbereich. Was hat in diesem Fall die Studie gezeigt?
Prettenthaler: Vor allem den bedeutenden Umfang der Tätigkeiten: Im Bildungsbereich werden 71.000 Schülerinnen und Schüler in den katholischen Privatschulen betreut, über 47.000 Spitalsbetten werden zur Verfügung gestellt, aber auch im Pflegebereich oder Flüchtlingsbereich geschieht sehr viel.
Der Staat bekommt diese Leistungen eigentlich mehr oder minder gratis, weil er von der Kirche so viele Steuerrückflüsse hat, dass er netto nur 130 Millionen € im Jahr für diese zahlen muss.
Welche Rolle spielen Kultur und Tourismus im krichlichen Leistungsspektrum?
Prettenthaler: Das ist auch ein Bereich, der nicht so im Augenmerk der Bevölkerung liegt. Die Kirche hat ein flächendeckendes Netz an touristischen Attraktionen anzubieten. Die 15 beliebtesten touristischen Plätze sind katholische Einrichtungen. Allen voran der Stephansdom und die Basilika Mariazell.
Zeichnet sich vor allem ab, dass die lokale Wirtschaft von kirchlichen Aktivtäten profitiert?
Prettenthaler: Das war auch ein sehr interessantes Ergebnis. Wir konnten natürlich die makroökonomischen Effekte nicht auf diözesaner Ebene ausweisen, aber auf Bundesländerebene.
Es gibt quasi keine Gewinner- oder Verlierer-Bundesländer, das ist sehr unterschiedlich von allen anderen Wirtschaftsbereichen. Wenn man sich etwa den Tourismusbereich ansieht und man würde beispielsweise diesen schwächen, würde interessanterweise Oberösterreich sehr stark betroffen sein, weil in diesem Bundesland die Lebensmittelindustrie stark konzentriert ist.
Aber die „Kirchen-Industrie“ – wenn Sie mir diesen Begriff verzeihen – ist so stark wirklich in der Fläche überall vertreten und beschäftigt zum Beispiel die Bauleute vor Ort. So gibt es keine Gewinner oder Verlierer, was kirchliche Aktivitäten betrifft.
Umwegrentabilität ist in der Studie ein großes Thema. Wie kann man das kurz erklären?
Prettenthaler: Was bei all den kirchlichen Feiern wie Taufe, Erstkommunion oder Firmung von den Katholikinnen und Katholiken ausgegeben wird, landet direkt in der Region als Kaufkraft. Ob es sich nun um Kleidung handelt oder beispielsweise das Firmungsessen beim Wirten ums Eck.