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03.07.2015
Interview im "Kurier"

Kardinal Schönborn kritisiert Ignoranz in Bezug auf eigenen Lebensstil

Wiener Erzbischof in "Kurier"- Interview: Müll trennen und mit Katalysator fahren reicht nicht, um Verantwortung für die Welt gerecht zu werden.

Vor Ignoranz in Bezug auf den eigenen Lebensstil und dessen Folgen für die Umwelt und Mitmenschen auf der ganzen Welt hat Kardinal Christoph Schönborn im „Kurier“ am Freitag, 3. Juli 2015 gewarnt.

 

Als Europäer, "die wir Müll trennen und mit Katalysator fahren", habe man vielleicht "das Gefühl, die Sache wäre im Griff". Doch der Papst habe sich in seiner seiner Enzyklika "Laudato si" nicht umsonst gegen die Umweltzerstörung gewandt und appelliert: "Steckt den Kopf aus eurer scheinbaren Idylle und seht, wie es mit der Welt tatsächlich steht, wie sehr sie leidet - auch wegen unserer Wegwerfkultur."

 

Zum enormen Interesse an dem Papstdokument und der darin u.a. enthaltenen Kritik daran, dass die Welt in eine "unermessliche Mülldeponie" verwandelt zu werden droht, sagte Kardinal Schönborn, es gebe eine "Sehnsucht nach einem guten Leben". Der Papst spreche die notwendige Verantwortung für die anderen und für die Welt an. Und die Adressaten würden "merken, dass unsere fröhliche Oberflächlichkeit uns wenig genützt hat".

 

Überfluss mit negativen Eigenschaften

"Der Überfluss macht, dass wir uns nicht mehr richtig über das Essen freuen": Mit diesen Worten kommentierte der Wiener Erzbischof den Missstand, dass in Österreich jährlich alleine in privaten Haushalten 300.000 Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Der achtlose Konsum von Essen mache "zwar satt, aber nicht glücklich". Kardinal Schönborn empfahl das Hören auf das, "was man derzeit in der Wiener U-Bahn vor dem Aussteigen so oft hört: 'Seien Sie achtsam!'"

 

Auf die Frage, wie er selbst Lebensmittelabfälle vermeide, verwies der Kardinal auf seine Verköstigung durch die Kantine der Erzdiözese Wien. "Dort wird so gekocht, dass ein Menü eher ausgeht, als dass am Schluss viel davon übrig bleibt. Wenn trotzdem etwas bleibt und verarbeitet werden darf, kommt es wieder auf den Tisch."

 

Auf den wichtigen Unterschied zwischen Abstinenz und Maßhalten wies Schönborn beim Thema Internetnutzung und soziale Medien hin. Erst exzessiver Konsum führe zu "geistiger Umweltverschmutzung"; bei ihren eigenen Aktivitäten auf Twitter oder Facebook achteten von Papst und Bischöfe auf das rechte Maß.