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07.07.2015
Besuch in der Erzdiözese Salzburg

Kräutler: Einsatz für Arme auch nach altersbedingtem Rückzug

Austro-brasilianischer Bischof weilt anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums in Salzburg.

 

Bischof Erwin Kräutler will trotz seines absehbaren altersbedingten Rückzugs von der Leitung der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens, Altamira-Xingu, weiterhin in Brasilien leben und sich in den Dienst der Armen stellen. "Solange mir Gott den Atem schenkt, werde ich mich einsetzen", teilte der aus Vorarlberg stammende Bischof, der sich derzeit anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums in Salzburg aufhält, in einem Pressegespräch am Sonntag, 5. Juli 2015 mit. Seine Diözese wird "Dom Erwin", der am 12. Juli seinen 76. Geburtstag feiert, in nächster Zukunft an einen Nachfolger übergeben, kündigte er an.

 

Große Bedeutung schreibt der Bischof der neuen Enzyklika von Papst Franziskus zu, die er als "bahnbrechend" bezeichnet. Er selbst konnte dem Papst in einer Audienz im April 2014 ausführlich über die Anliegen der Indios und des Amazonien-Regenwaldes berichten, woraufhin Franziskus Impulse Kräutlers in sein Lehrschreiben aufnahm. Die Umweltenzyklika "Laudato si" sei "mit einer Entschiedenheit und unmissverständlich" verfasst, lobte Kräutler.

 

Mit dem "Juwel" Salzburg - "die schönste Stadt die ich kenne" - fühle er sich sehr verbunden, so Kräutler. Dies betonte er auch in seiner Predigt bei der Priesterjubiläumsfeier am Sonntag im Salzburger Dom: "Ein halbes Jahrhundert ist es her, als wir hier, an dieser Stelle, von Erzbischof Andreas Rohracher die Priesterweihe erhalten haben. Hier hat alles begonnen." Für ihn sei es ein "erhebender Augenblick", hier nach 50 Jahren einer Eucharistiefeier vorzustehen.

 

Propheten müssen auch "So nicht!" sagen

In Bezug auf die Lesungstexte betonte Kräutler im Rahmen einer Festmesse anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums am Sonntag im Salzburger Dom, dass Prophetentum auch heute darin bestünde, den Mut zur Verkündigung des Evangeliums zu haben, es bedeute "aber auch den Auftrag zu sagen: So nicht, das ist nicht im Sinne Gottes!". Weiters brauche es "Zimmerleute, die Fenster und Türen öffnen und auf die Menschen zugehen", so der austro-brasilianische Bischof. Im Anschluss an seine Predigt und während des Auszuges applaudierten die begeisterten Gottesdienstbesucher im Dom.

 

Im Rahmen eines Festaktes an der Universität Salzburg wurde Bischof Kräutler am Sonntagabend mit dem Ehrenzeichen des Landes Salzburg geehrt.

 

Erwin Kräutler, geboren 1939 in Koblach (Vorarlberg), trat nach seiner Gymnasialzeit 1958 in den Orden der Missionare vom Kostbaren Blut ein und studierte in der Folge Theologie und Philosophie in Salzburg und wurde dort am 3. Juli 1965 zum Priester geweiht. Im November desselben Jahres übersiedelte Kräutler nach Brasilien, wirkte dort in Mission, Seelsorge, als Pfarrer und im Unterricht, bis er am 25. Jänner 1981 zum Bischof geweiht wurde. Der Oberhirte der Diözese Altamira-Xingu ist bekannt für seinen Einsatz gegen politische, soziale und wirtschaftliche Missstände. Kräutler ist Träger zahlreicher Preise und Ehrungen, 2010 wurde er mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.