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07.07.2015
Warnung vor Aufstand

Bankensperre: Griechischer Caritas-Chef befürchtet Unruhen

Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Griechenlands übt scharfe Kritik am Referendum, Caritasdirektor warnt vor Unruhen.

Der griechische Caritasdirektor Antonio Voutsinos befürchtet "schwere soziale Spannungen und Unruhen" aufgrund der Bankensperre. Voutsinos äußerte sich am Dienstag, 7. Juli 2015 in der italienischen katholischen Presseagentur SIR. Er wies daraufhin, dass das Nein beim Referendum am Sonntag nicht als Nein zur EU verstanden werden dürfe, sondern als Nein zu den Austeritäts-Vorgaben der Institutionen.

 

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Griechenlands, Fragkiskos Papamanolis, übte im SIR-Interview scharfe Kritik an dem Referendum. Ministerpräsident Alexis Tsipras habe sich als "inkompetent" erwiesen. Die von ihm vorgelegte Fragestellung sei nämlich für fast alle unverständlich und unklar gewesen. Bei einer klaren Fragestellung - "Wollt ihr Europa, wollt ihr den Euro?"- wäre ein völlig anderes Ergebnis herausgekommen.            

 

Griechenlands Banken steht unterdessen das Wasser bis zum Hals. Seit einer Woche sind sie geschlossen, und sie werden das auch mindestens bis Donnerstag bleiben. Nur dank Notkrediten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Geldhäuser überhaupt noch flüssig und können die Bankomaten nachfüllen. Die EZB beschloss am Montag, die Notkredite vorerst zu verlängern. Allerdings werden sie nicht aufgestockt, sondern auf dem aktuellen Niveau belassen. Die Griechen dürfen derzeit pro Tag maximal 60 Euro abheben, was sich auf 200 bis 400 Millionen Euro täglich summiert. Lange reichen die Reserven aber auch dafür nicht mehr.

 

"Diese Woche kommen die Banken noch durch", schätzte Nationalbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny in der ZiB2 am Montag. Noch diese Woche könnte das Bargeld ausgehen, am 20. Juli könnte das gesamte griechische Bankensystems zusammenbrechen, falls nicht 3 Milliarden Euro an die EZB zurückgezahlt werden. Griechenland bliebe dann nur der Ausstieg aus dem Euro.

 

Caritas wird helfen

Die europäischen Caritas-Netzwerke sind deshalb auf eine humanitäre Krise in Griechenland vorbereitet. Falls eine soziale Krise nicht abzuwenden sei, werde die Caritas den Menschen in Griechenland helfen, sagte der Generalsekretär der Caritas-Europa, Jorge Nuno-Mayer, am Montag in Brüssel.

 

Nuno-Mayer forderte die Verhandlungsführer auf, bei dem Sondergipfel zu Griechenland am Dienstag in Brüssel das Leiden der Menschen nicht zu vergessen. "Mehr Armut, besonders von Kindern; mehr Arbeitslosigkeit, besonders von Jugendlichen; eine gestohlene Zukunft; es ist für viele nicht mehr auszuhalten", sagte er. Die Sparprogramme der vergangenen Jahre hätten weder dazu geführt, dass Arbeitsplätze geschaffen wurden noch hätten sie mehr Wachstum erreicht.

 

Es sei höchste Zeit, die Menschen in Griechenland und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Verhandlungen zu stellen. Ziel müsse ein ganzheitliches europäisches Projekt mit und für Griechenland sein, so Nuno-Mayer. Die EU müsse einen Solidaritätsansatz finden, bei dem es nicht nur um Geldtransfer gehe. Ein erster positiver Schritt sei, dass die Politiker am Sonntag erstmals auch die Menschen in Not angesprochen hätten. Es bleibe zu hoffen, dass in den weiteren Verhandlungen die Themen Arbeit, Erziehung, Soziales und Gesundheit eine stärkere Rolle spielen würden.

 

Ungeachtet der katastrophalen wirtschaftlich-sozialen Lage in Griechenland nimmt sich der orthodoxe Bischof von Katerini am Olymp, Georgios Chrysostomou, noch ärmerer Menschen aus Nahost an: Auf seine Einladung verbringen 50 Palästinenserkinder und Jugendliche im Juli Erholungsferien am Meer und im Kloster zum Hagios Dionysios hoch am Götterberg der alten Griechen. Sie stammen aus dem Gazastreifen, Jerusalem und dem Westjordanland sowie aus Flüchtlingslagern in Jordanien. Die meisten der jungen Gäste von Metropolit Georgios sind arabischsprachige orthodoxe Christen, doch finden sich unter ihnen auch Muslime aus ihrem Freundeskreis. Sie alle werden von der "Orthodoxen Jugend" der Diözese Katerini betreut. Wie Metropolit Georgios bei Begrüßung der Jugendlichen unter Hinweis auf die Lage in Griechenland unterstrich, könne "niemand so in Not sein, um nicht noch Bedürftigeren zu helfen".