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08.07.2015
Gastkommentar von Aktion Leben-Generalsekretärin Kronthaler in "Die Presse"

Kronthaler: Politik soll sich klar zu möglichst wenigen Abtreibungen bekennen

"Aktion Leben"-Generalsekretärin Kronthaler kritisiert SPÖ in "Presse"-Gastkommentar für Verweigerung einer Abbruchstatistik und Motiverforschung.

Viele Schwangerschaftsabbrüche in einem Land "sind ein klares Indiz für mangelnde Solidarität mit Eltern und Kindern, letzten Endes aber auch für Resignation: Die Politik hat es offenbar aufgegeben, eine elternfreundliche Gesellschaft zu schaffen". Das hat Martina Kronthaler, Generalsekretärin der "Aktion Leben Österreich", in einem Gastkommentar in der Tageszeitung "Die Presse" am Mittwoch, 8. Juli 2015 betont.

 

Signale des Aufbruchs fehlt

Das klare Bekenntnis, möglichst wenige Schwangerschaftsabbrüche zu wollen, wäre aus ihrer Sicht "ein Signal des Aufbruchs in einer Gesellschaft". Dies lasse aber vor allem die SPÖ vermissen, wenn sie mit ihrer Verweigerung einer anonymen Statistik und Motiverforschung zu Abtreibungen für ein "Unikum" in Europa sorge.

 

Kronthaler reagierte in der "Presse" auf einen Gastkommentar der Verfassungsjuristin und stellvertretenden Vorsitzenden des Österreichischen Frauenrings, Brigitte Hornyik. Diese hatte am 23. Juni unter dem Titel "Verbote verhindern Abtreibungen nicht" die Ansicht vertreten, der freie und sichere Zugang zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen sei ein wesentlicher Beitrag zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit von Frauen. Die "Aktion Leben"-Generalsekretärin dazu: Das Thema berge wesentlich mehr Facetten und Ungerechtigkeiten, als Hornyik anführe.

 

Das in Österreich geltende grundsätzliche Verbot des Schwangerschaftsabbruchs bei gleichzeitiger Straffreistellung im Rahmen der Fristenregelung sei der Versuch, "ein schwieriges Thema sensibel zu regeln und beiden Seiten gerecht zu werden: dem Schutzrecht des Kindes, das zumindest symbolisch verankert bleibt, und der Entscheidungsfreiheit von Frauen im Schwangerschaftskonflikt". Das Gesetz enthalte zudem die Gewissensfreiheit der Ärzte und Mitarbeiter in der Pflege, erinnerte Kronthaler. Diese könnten nicht dazu gezwungen werden, an einem Abbruch mitzuwirken.

 

Warnung vor "Bagatellisierung"

Genau darauf "schießt sich jene Gruppe politischer Aktivisten ein", die die Fristenregelung aus dem Strafgesetz streichen wolle, warnte die "Aktion Leben"-Vertreterin. Damit solle auch die Gewissensfreiheit fallen und Abtreibungen von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Proponentinnen dieses Kurses stilisierten dies zur Grundsatzfrage, "aber mit echter, sachlicher Auseinandersetzung hat das nichts zu tun".

 

Anstatt Abtreibungen "weiter zu bagatellisieren" und in eine Richtung zu gehen, die Österreich zum "Zielland Nummer eins für Abbrüche in Europa" machen könnte, sollte gefragt werden, wie Schwangerschaftskonflikte zu vermeiden wären - und wie viele Abbrüche es hierzulande überhaupt gibt. "Dann sind Maßnahmen zu setzen und zu prüfen, ob sie zum Ziel - weniger Abbrüche - führen", so Kronthaler. "All dies wäre eine große Chance und würde die Tür zu einer Selbstbestimmung öffnen, die auf einer echten Alternative beruht."