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12.07.2015
Generalsekretär Schweifer im "Kurier"-Interview

Caritas: "Hunger und extreme Armut" könnten beseitigt werden

Caritas-Auslandshilfegeneralsekretär Schweifer im "Kurier"-Interview: Scheitern liegt am mangelnden Engagement der reichen Länder aber auch der Regierungen vor Ort.

Caritas-Auslandshilfegeneralsekretär Christoph Schweifer reist oft in Krisengebiete und kennt die Nöte der Menschen vor Ort. Trotzdem ist er davon überzeugt: "Wir sind das erste Mal in der Lage, extreme Armut und Hunger zu beseitigen. Das war in der Geschichte der Menschheit noch nie der Fall", so Schweifer in einem "Kurier"-Interview am Samstag, 11. Juli 2015.

 

Mangelndes Engagement gegen Hunger

Dass der Hunger nicht beseitigt wird, liege vor allem am mangelnden Engagement. "Von der österreichischen Bundesregierung, die zu wenig Entwicklungshilfe leistet, bis hin zu lokalen Regierungen vor Ort, die sich um die eigenen Leute nicht kümmern." Die von Wirtschaftsexperten aufgestellte These, es brauche Arm und Reich, Hunger und Elend, um die Wirtschaft zu beleben, lässt Schweifer nicht gelten. "Das halte ich für eine billige Ausrede. Denn die Schlussfolgerung daraus wäre ja, man muss nichts tun. Das kann es nicht sein."

 

Die österreichische Flüchtlingspolitik stuft er als verbesserungswürdig ein. Es sei möglich, effiziente Flüchtlingspolitik zu betreiben, dazu brauche es aber einen gemeinsamen politischen Willen. Die Situation der 1,5 Millionen Flüchtlinge im Libanon, beschreibt Schweifer als Kampf um das "schiere Überleben". Hauptproblem sei dort, ein Dach über dem Kopf zu haben. Dazu komme die Traumatisierung der Menschen. "Ich habe Kinder getroffen, die nicht sprechen - weil sie gesehen haben, wie ihr Vater umgebracht wurde oder Leichenteile auf den Straßen lagen." Kinder seien aber äußerst kreativ, "vorausgesetzt, sie sind nicht traumatisiert". Sie bauten aus Müll Spielzeuge; die, die die Möglichkeit zum Schulbesuch haben, würden keine Ferien wollen.

 

Angst habe er auf seinen Reisen nicht. "Wir haben klare Sicherheitsstandards. Durch unsere Partner wissen wir, wo wir hingehen dürfen und wo nicht." Schwieriger sei der Umgang mit dem Elend, das ihm immer wieder unterkomme. "Mein Job ist belastend, wenn man sieht, unter welchen elendiglichen Bedingungen Menschen leben müssen; Gleichzeitig bin ich in der glücklichen Situation, etwas tun zu können - das motiviert."