Die katholische Bischofskonferenz Griechenlands hat Ministerpräsident Alexis Tsipras und seine Regierung scharf kritisiert. Die letzten sechs Monate seit dem Wahlsieg der Partei Syriza seien "verlorene Zeit" gewesen, sagte ihre Vorsitzender Erzbischof Frangiskos Papamanolis am Montag, 13. Juli 2015 dem italienischen Pressedienst SIR.
"Unsere Regierung hat die Situation nicht verstanden", so der emeritierte Bischof der Inseln Syros und Santorini. "Als Griechen müssen wir nun noch mehr lernen, zu arbeiten und zu wirtschaften", sagte Papamanolis weiter. Er äußerte zugleich die Hoffnung auf einen schnellen Abschluss der Verhandlungen Griechenlands mit den Euro-Staaten. Nach der Einigung wünsche er sich nun die schnellstmögliche Unterzeichnung der Vereinbarung. Von den rund 11 Millionen Einwohnern Griechenlands sind nach kirchlichen Angaben 140.000 Katholiken.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz erklärte, Tsipras habe die Wahl mit unhaltbaren Versprechen gewonnen. Nun müsse er die grausame Wirklichkeit anerkennen. Er kritisierte aber auch die Vorgängerregierungen. Tsipras habe bereits eine "furchtbare Situation" geerbt.
Griechenland und die übrigen 18 Euro-Staaten einigten sich am Montag in Brüssel auf einen Rettungsplan für das Land. Er sieht Kredite in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro vor binnen der nächsten drei Jahre vor. Im Gegenzug verpflichtet sich Griechenland u.a. zur Reform des Renten- und Steuersystems.
Im Hinblick auf die "griechische Krise, die eine europäische Krise ist", hat eine größere Gruppe jüngerer griechischer orthodoxer Theologen einen eindringlichen Appell an die christlichen Kirchen, ökumenischen Organisationen und die verschiedenen christlichen Bewegungen in Europa veröffentlicht. Es sei notwendig, die europäische Identität Griechenlands auf der Basis der Prinzipien von Demokratie, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit, Würde und gegenseitigem Respekt zu sichern, heißt es laut dem Pressedienst von "Pro Oriente" in dem am Wochenende veröffentlichten Theologen-Appell, der u.a. vom Leiter der international hochangesehenen Theologischen Akademie Volos, Pantelis Kalaitzidis, unterstützt wird.
Die Theologen, die durchaus unterschiedliche politische Sympathien hegen, rufen die christlichen Kirchen des Kontinents dazu auf, gemeinsam an der Sicherung dieser Werte zu arbeiten, denn in diesen Grundprinzipien bestehe das "gemeinsame kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas". Dieses Erbe müsse um jeden Preis gegen jene Kräfte gewahrt werden, die den friedlichen gemeinsamen Weg in Gefahr bringen; es seien dies jene Kräfte, die eine "Vergöttlichung der Märkte" aufdrängen wollen und nach einer "Wiederbelebung der traurigen Augenblicke der Geschichte unseres Kontinents" streben.
In diesem Zusammenhang begrüßen die griechischen orthodoxen Theologen Stellungnahmen aus anderen Kirchen. Besonders fühlten sie sich für die Solidaritätsbekundungen von Papst Franziskus zu Dank verpflichtet, aber auch für das pastorale Schreiben des Präsidiums der "Konferenz Europäischer Kirchen" und für die öffentlichen Stellungnahmen des anglikanischen Alterzbischofs von Canterbury, Rowan Williams.
Alle Christen Europas müssten jetzt den Wert der "europäischen Familie" gegen den "Wert des Profits" verteidigen, betonen die Theologen. Derzeit gebe es ein "unglückseliges Wiederaufleben" der Teilung und Polarisierung Europas, das den "politischen Entscheidungsprozess" vergifte und die "Koexistenz der Nationen" traumatisiere. Inmitten dieser "düsteren Realität" sind die griechischen orthodoxen Theologen aber überzeugt, dass die Kirchen in Europa imstande sein können, "Brücken der Zusammenarbeit und des Dialogs" zu sein, wie die Geschichte der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bewiesen habe. Damals hätten die Kirchen wesentlich zur Entwicklung des "ökumenischen Geistes der Versöhnung und Zusammenarbeit" beigetragen.
Die griechischen orthodoxen Theologen verweisen in ihrem Appell darauf, dass die derzeitige Situation in Griechenland mit der Entwicklung des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systems im Land nach der Wiedererrichtung der Demokratie 1974 zusammenhängt. Sie räumen auch ein, dass sie "als Bürger und Christen" nicht auf der Höhe der Erfordernisse waren. Heute seien sie aber bereit, Irrtümer des politischen und wirtschaftlichen Systems anzuerkennen und Verantwortung für die Überwindung dieser "ungesunden Situationen" zu übernehmen. Zugleich seien sie in tiefer Sorge über die von den europäischen Partnern vorgeschlagene Politik, die "nach außen auf die Notwendigkeit von Reformen konzentriert ist, ohne die System-Ursachen der Krise, die Schuldenkrise und die ernsthaften humanitären Konsequenzen der ineffizienten neoliberalen Entwürfe der letzten Jahre ins Kalkül zu ziehen".