Der am Donnerstag, 16. Juli 2015 von Integrationsminister Sebastian Kurz vorgestellte Integrationsbericht bestätigt nach Ansicht der Caritas ein Defizit in der österreichischen Integrationspolitik.
Caritas-Präsident Michael Landau unterstützt die zentrale Forderung der Bericht-Autoren, dem Expertenrat für Integration, nach mehr Sprachkursen in den jeweils benötigten Sprachniveaus. "Deutschkenntnisse sind ein wichtiger Schlüssel für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe in Österreich", so Landau in seiner Stellungnahme.
Den konkreten Vorschlag des Expertenrates, quereinsteigende Schüler in eigenen "Vorbereitungsklassen" Deutschunterricht zu erteilen, hält Michael Landau dann für sinnvoll, wenn die separaten Deutschklassen maximal ein Jahr dauern und Flexibilität bei der Möglichkeit eines früheren Wechsels in das Regelschulsystem besteht. Jedes Kind habe das Recht auf Bildung "und jedes Kind muss auf die Bildungsreise mitgenommen werden".
Grundsätzlich gelte, je früher mit den Deutschkursen und anderen Integrationsmaßnahmen begonnen werde, desto besser. In den Sommermonaten soll dieser Unterricht mit einem Freizeitprogramm bis zum Schulstart stattfinden. "Jeder Tag, der hier ungenützt verstreicht, ist ein verlorener Tag", so Landau.
Die Caritas begrüßt auch die Forderungen nach einem zweiten, kostenlosen, und bei Bedarf verpflichtenden Kindergartenjahres für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund. "Hier gibt es seit geraumer Zeit Konsens innerhalb der Regierungsparteien. Umgesetzt wurde das Projekt jedoch noch immer nicht." Kindergärten müssten als Bildungseinrichtungen verstanden werden - als Orte, an denen die deutsche Sprache früh und spielerisch vermittelt werden kann.
Ziel sei, auf hohem Niveau nicht nur die sprachlichen, sondern auch die motorischen, sozialen sowie emotionalen Kompetenzen der Kinder zu fördern. Dazu brauche es einerseits mehr Personalressourcen und andererseits ein österreichweit einheitliches Qualitätsrahmengesetz. Die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule müsse verbessert und auch die Erstsprache von Kindern mit Migrationshintergrund gefördert werden, "denn gerade Mehrsprachigkeit ist eine wichtige Kompetenz am Arbeitsmarkt im späteren Leben", so Landau.
Jobs für anerkannte Flüchtlinge
Zustimmung gab es auch für die Bemühungen, Personen mit einem positiven Asylbescheid rasch in Beschäftigung zu bringen. Ein Kompetenzcheck seitens des AMS solle dabei helfen. Flüchtlinge brauchten außerdem insbesondere bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen und informellen Kompetenzen Hilfe, um ihrem Bildungsgrad entsprechende Arbeit zu finden.
Einmal mehr fordere Caritas-Präsident Landau eine gelebte Willkommenskultur und kritisierte die Flüchtlingsunterbringung in Zelten. "Zelte ersetzen keine Asylpolitik und sie sind in weiterer Folge auch kein geeignetes Signal gelungene Integration. Wir müssen heute schon an morgen denken und Menschen, die nach ihrer Flucht nach Österreich gelangt sind, Perspektiven eröffnen."
Der Integrationsbericht ist eine umfassende Übersicht zum Thema Integration in Österreich, der seit 2011 jährlich erscheint und von einem Expertenrat erarbeitete Vorschläge enthält. 2015 betreffen die Vorschläge des Rates mehrere Punkte, etwa die Sprache, den Arbeitsmarkt, Werte und Ehrenamt.