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Nächstenliebe
cc flickr esparanta palma / Der Sonntag
30.07.2015

„Wer ist denn mein Nächster?“

Thomas Söding erschließt das Schlüsselwort jesuanischer Ethik.

Durch die aktuelle Situation mit den Flüchtlingsströmen in Europa hat  sie als Schlüsselwort der christlichen Ethik höchste Aktualität gewonnen: die Nächstenliebe.

 

Das Gebot stammt aus dem Alten Testament, Jesus hat das Bild des Nächsten und die Praxis der Liebe neu bestimmt.

 

„Im Neuen Testament gibt es kein Gebot, das eine ähnliche Bedeutung wie das Liebesgebot hätte“, schreibt der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding in seinem faszinierenden Buch „Nächstenliebe. Gottes Gebot als Verheißung und Anspruch“ (Herder-Verlag).

 

Mit seinem Liebesgebot, das auch die Feinde einbezieht, hat Jesus ein starkes Echo in der frühen Kirche ausgelöst, das bis in die Gegenwart fortwirkt.

 

Die Praxis der Feindesliebe, wie sie die jesuanische Bergpredigt fordert, unterstreicht einmal mehr, dass das Urchristentum eine Religion der Gewaltlosigkeit ist, „nicht aus Mangel an anderer Gelegenheit, sondern aus tiefer Überzeugung“, schreibt Söding.

 

 

Die Ethik der Nächstenliebe sei kein sozialethisches Programm zur Gesellschaftsreform, dazu reicht Nächstenliebe nicht aus, es müsste auch das Prinzip der Gerechtigkeit dazukommen.

 

Die Nächstenliebe, wie sie Jesus als Lehrer der Nächstenliebe fordert, „ist ein Talent, mit dem gewuchert werden muss, damit es Zinsen bringt; wer es vergräbt, schadet sich und anderen“, betont Söding.

 

Und zur Erfüllbarkeit meint der Bochumer Theologe: „Die Erfüllbarkeit ist eine Frage des guten Willens und des effektiven Training, wie in vielen Gebieten der Moral.“

 

Die Frage „Wer ist denn mein Nächster?“ (Lukasevangelium 10,29) ist einer der Ernstfälle des Glaubens.

 

Diese Frage muss jeder Katholik, jede Katholikin beantworten (können).