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Univ.-Prof. Dr. Martin Jäggle ist Professor für Religionspädagogik und
Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Im
Vorfeld der Diözesanmissions-Woche nach Pfingsten sprach er mit "thema
kirche" über das Verständnis von Mission heute als "Kommunikation des
Evangeliums auf Augenhöhe". Verkündigung sei immer ein personales Geschehen,
betont der Theologe.
Wie sehen Sie die bevorstehende Diözesanmission?Ich finde es angemessen, dass Pfingsten Wirkung zeigen darf - von der
Platzierung der Woche als nachpfingstliche Woche, dass sie hier einen Platz
hat als Wirken des Geistes, ebenso dass sie von einer Pfingstnovene
vorbereitet wird und im Horizont des Wirkens des Geistes gestaltet wird.
Warum gehört missionarisches Handeln zur christlichen Glaubenspraxis?
Jäggle: "Mission ist ein personales Geschehen. Das Medium ist die Person, aber nicht weil diese Person Ideale erfüllt, sondern weil sie authentisch ist."
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Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Es liegt in der Natur
der Sache, dass man an dem, was einen selbst bewegt, andere Anteil haben
lässt. Mission ist keine "Extraveranstaltung", die zu dem Vielen, das man
tut, noch dazu kommt, sondern sie ist Teil christlichen Lebens. Wenn z. B.
eine Gemeinde eine einladende Praxis hat, dann hat das schon missionarische
Qualität, weil sie dadurch die zuvorkommende Liebe Gottes sichtbar und
erfahrbar macht.
Inwiefern bedeutet Mission mehr als "jemanden von der christlichen Lehre überzeugen"?Mission wird nie bedeuten, andere von der christlichen
Lehre zu überzeugen. Wer das betreiben will, verzichtet auf Kommunikation
auf Augenhöhe und respektiert weder Lebenssituation und Lebensmöglichkeiten
anderer Menschen noch das Wirken des Heiligen Geistes. Mission ist keine
ausgefeilte Praxis des Überredens oder Überzeugens, sondern Kommunikation
des Evangeliums auf Augenhöhe, die bestimmt ist von einem Prozess der
Verständigung.
Müssen verkündende Christen gebildet sein?In einer Gesellschaft, in der Bildung so essentiell für die Zukunft ist,
bedarf es qualifizierter Bildung, um christlichen Glauben öffentlich
kommunizieren zu können. Es bedarf des Verständnisses der anderen, in deren
Horizont und Verstehen man sich äußern will.
Katechese ist zuallererst ein personales Geschehen und daher ist auch
Mission ein personales Geschehen. Das Medium ist die Person, aber nicht weil
diese Person Ideale erfüllt, sondern weil sie authentisch ist - in all der
Bruchstückhaftigkeit, die nun einmal die menschliche Existenz ausmacht.
Ist das missionarische Selbstverständnis der Kirche im Wandel? Martin Jäggle: "Der Begriff ‘Dialog’ im Zusammenhang mit Mission ist unverzichtbar."
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Das Verständnis von Mission verändert sich derzeit in allen christlichen
Kirchen Europas. Katholischerseits war Mission explizit stets eine
außereuropäische Angelegenheit. Innere Mission in Europa war begrifflich in
der evangelischen Kirche verankert.
Wenn bei uns der Ausdruck Mission auftaucht, dann muss man damit rechnen,
dass viele schon ein geschichtlich bedingtes Verständnis davon haben. Wir
können dieses Verständnis nicht außer Kraft setzen. Auch wenn wir heute ein
neues Verständnis von Mission haben.
Ich bin nicht sicher, ob das öffentliche Reden von Mission der Sache selber
sehr dienlich ist.
Der Begriff "Dialog" im Zusammenhang mit Mission ist unverzichtbar. Wer
sich in Sachen Mission engagiert, engagiert sich in einem dialogischen
Geschehen.
Wie kann durch Mission eine Verwandlung der Gesellschaft stattfinden?Das hängt vom Verständnis und der Praxis von Mission
ab, weil die Kommunikationsform viel entscheidender ist als man
üblicherweise annimmt. Es gibt keinen Inhalt ohne Kommunikationsform. Es
gibt eine Militanz in der Kommunikationsform, die sichert, dass alles so
bleibt wie es ist. "Mission" als "Kommunikation des Evangeliums" zu
verstehen bedeutet, dass das Evangelium nicht nur der Inhalt ist, sondern
dass auch die Kommunikationsform dem Evangelium gemäß ist. Eine
Gesellschaft, die dem Evangelium gemäßer wird, wird auch eine menschlichere
Gesellschaft.
Immer wieder ist von der notwendigen "Selbstevangelisierung" der Kirche die Rede. Wie sehen Sie das?Die Kirche bleibt immer hinter dem Anspruch des
Evangeliums zurück. Dafür braucht es ein Bewusstsein. Dann entsteht die
Dynamik, sich verstärkt am Evangelium zu orientieren.
Der Ausdruck "Selbstevangelisierung" gefällt mir nicht, weil er in die
Tendenz der Eigenmächtigkeit geraten kann, und man dabei die Bedeutung des
Wirkens des Geistes übersieht, vielleicht auch die Bedeutung des
In-der-Gegenwart-Gottes-Lebens.
Angemessener wäre es davon zu reden, dass auch die Kirche selbst ständig der
Evangelisierung bedarf.
Welche kirchlichen Dokumente geben Auskunft über das Verständnis der Mission heute?Grundsätzlich sind da alle Dokumente des II.
Vatikanischen Konzils wichtig. Zu stark in den Hintergrund getreten ist die
Enzyklika von Paul VI. "Evangelii nuntiandi" von 1975. Das zweite ist
"Dialog und Verkündigung - Überlegungen und
Orientierungen zum Interreligiösen Dialog und zur Verkündigung des
Evangeliums Jesu Christi" von 1991, ein Dokument, das einen sehr
langen Entstehungsprozess hat und vom Päpstlichen Rat
für den Interreligiösen Dialog sowie der Kongregation für die
Evangelisierung der Völker erstellt wurde.
Vielen Dank für das Gespräch!
(ag)
07.05.2010
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