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Fordern und fördern im Priesterseminar
© Kathbild.at/RupprechtDie Auswahl der Bewerber für das Priersteramt erfolgt vor dem Eintritt ins Priesterseminar nach strengen Kriterien. "Die Kandidaten müssen bestimmte Fähigkeiten mitbringen", sagt Regens Nikolaus Krasa.

Im Wiener Priesterseminar, dem ehemaligen spanischen Hofspital in der Boltzmanngasse, leben und studieren derzeit 26 Seminaristen. Hauptverantwortlich für ihre Ausbildung ist Regens Nikolaus Krasa, der das Haus seit sieben Jahren leitet. Zwei Seminaristen werden im Juni im Wiener Stephansdom die Priesterweihe empfangen.

Lange und intensive Ausbildung

© Kathbild.at/Rupprecht
Regens Nikolaus Krasa: "Die Aufnahmekriterien sind generell sehr streng und dürfen nicht umgangen werden."

Wenn die Kandidaten an den Moment ihrer Priesterweihe gelangt sind, haben sie bereits einen langen und intensiven Weg der Ausbildung hinter sich gebracht. "Nur mit großer Furcht" dürfe man zu dieser hohen Stufe aufsteigen und man müsse achthaben, "dass himmlische Weisheit, bewährte Sitten und beständige Übung der Gerechtigkeit die hierzu Erwählten empfehle", heißt es u. a. in der Belehrung der Kandidaten während des Vorgangs der Priesterweihe.

Strenge Auswahlkriterien

"Von 100 Prozent der Bewerber werden ca. 40 Prozent ins Seminar aufgenommen", erklärt Nikolaus Krasa im Gespräch mit "thema kirche". Bestimmte Fähigkeiten müssen die Kandidaten von vornherein mitbringen: Dazu gehören eine gesunde Spiritualität, d. h. ein kirchlich verwurzelter Glaube, sowie gesunde intellektuelle und menschliche Fähigkeiten. Regens Krasa: "Der Bewerber muss beziehungsfähig sein, belastbar und flexibel, und man muss gut mit ihm zusammenarbeiten können." Das Aufnahmeverfahren ist österreichweit standardisiert und beinhaltet u. a. den Test bei einem Arzt und bei einem Psychologen. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nicht. "Die Aufnahmekriterien sind generell sehr streng und dürfen nicht umgangen werden, um z. B. die Zahl der Seminaristen zu erhöhen. Das wird auch vom Vatikan so gefordert."

Vier Ebenen der Ausbildung

© Kathbild.at/Rupprecht
Krasa: "Das Zusammenleben im Seminar fordert und fördert. Defizite werden da schnell sichtbar."

Der Priester muss in erster Linie "opfern, weihen, vorstehen, predigen und taufen."
Die Priesterausbildung findet auf vier Ebenen statt: der menschlichen, der spirituellen, der theologisch-wissenschaftlichen und der theologisch-praktischen Ebene. "Neu daran ist seit den 90er Jahren der stärkere Blick auf die menschliche Ebene: Hat der Seminarist freundschaftliche Beziehungen, eine gute Beziehung zu sich selbst, seine Sexualität in sein Leben integriert? Ist er konfliktfähig?", sagt Krasa: "Das Zusammenleben im Seminar fordert und fördert. Defizite werden da schnell sichtbar", so der Regens.
Die Ausbildung dauert insgesamt acht Jahre und beginnt mit dem einjährigen Propädeutikum in Horn. Danach leben die Priesteramtskandidaten ca. fünf Jahre im Seminar in der Boltzmanngasse und absolvieren ein Theologiestudium an der Universität Wien. Es folgen ein Praktikumsjahr in einer Pfarre und das Diakonatsjahr, in dem die Kandidaten ebenfalls in einer Pfarre leben.

Kein Redeverbot über Zölibat

Der Tagesablauf im Seminar ist geprägt von gemeinsamen Gebets-, Ausbildungs- und Essenszeiten. Das Theologiestudium wird im Normalfall an der Uni Wien absolviert. "Die Seminaristen sind nicht hermetisch abgeriegelt", sagt Krasa: "Sie sind sogar aufgefordert, Gäste einzuladen." Der Regens ist bemüht, auch weibliche Referentinnen immer wieder ans Haus zu holen.
Das "Jahr des Priesters" wurde im Seminar für die Begegnung mit Priestergestalten aus der Erzdiözese Wien genützt. "Es gibt ein genaueres Hinsehen wie Priesterleben aussehen", resümiert Krasa. Zum neu in Diskussion gebrachten Thema "Zölibat" meint er gelassen: "Wir haben keine Redeverbote. Es ist gut, über alles zu reden. Ich würde mir nur wünschen, dass das mit einer weiten und ehrlichen Perspektive geschieht und nicht mit der Engführung wie in mancher medialen Berichterstattung."

(ag)

09.06.2010


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