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Priester sind heute rundum gefordert: Zu ihrer geistlichen Tätigkeit kommen
Verwaltungs- und immer mehr Koordinationsaufgaben. In einer zunehmend
säkularisierten Welt sind sie umso stärker herausgefordert, ihren Glauben
authentisch zu bezeugen. "thema kirche" befragte Priester aus Stadt und
Land, wie sie ihr Priestersein heute verstehen.
Nur gelebter Glaube fasziniert
Pfarrer Konstantin Spiegelfeld: "Es geht mehr um das Sein des Priesters, weniger um einen Beruf."
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Konstantin Spiegelfeld wurde 1991 als 35-jähriger zum Priester geweiht.
Seit vier Jahren ist er Pfarrer in St. Johann Nepomuk, in Wien 2. Über sein
Priestersein sagt er:
"Früher war das Berufsbild des Priesters und Pfarrers klarer und
geschützter. Heute ist er neu herausgefordert: Es geht mehr um das Sein des
Priesters, weniger um einen Beruf. Meine Existenzweise hat nüchterne
Aspekte, das, was ein anderer Mensch als Arbeit bezeichnen würde: leiten,
verwalten, verhandeln, planen, ….
Inhaltlich sehe ich fünf Schwerpunkte:1. Gott handelt und erlöst zuerst,
daher hat das persönliche Gebet Priorität. 2. Nur gelebter Glaube
fasziniert! Teilen, leben, vertiefen und verkündigen des Glaubens an den
Auferstandenen in der Gemeinschaft der Kirche. 3. Feier der Sakramente und
Hören auf das Wort Gottes. 4. Aufmerksamkeit für gesellschaftliche
Entwicklungen und soziale Not. 5. Neue Glaubensräume eröffnen und
Begegnungen ermöglichen, durch die Menschen die tiefere Freiheit Christi
erfahren, verstehen, lieben und leben können."
Nicht mehr von oben herab Karl Engelmann: "Der Priester ist vom Podest gefallen. Er steht nicht mehr abgesondert und erhöht, sondern ist Mensch unter Menschen."
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Karl Engelmann, Pfarrer und Dechant in Hernals, Wien 17 versteht unter
"Priestersein heute":
"Der Priester ist vom Podest gefallen. Er ist ein Mensch unter Menschen.
Noch mehr Menschen als früher erkennen heute, was an einem Priester echt
ist, bzw. wo er sich hinter seinem Amt versteckt. Das ist gut so. Priester,
speziell Pfarrer, müssen teamfähig sein, weil sie nicht mehr von oben herab
allein bestimmen können. Oberflächliches Priestertum wird rasch
aufgedeckt.
Der Priester muss bei allen Verwaltungsaufgaben, trotzdem Spiritual der
Gemeinde zu bleiben. Eine besondere Konzentration erfordert die
Verkündigung. Interessierte, erwartungsvolle, anspruchsvolle Zuhörer des 21.
Jahrhunderts spüren sofort, wenn Predigten in Kochbuchmanier hergestellt
werden.
Wesentlich erscheint mir das Hören auf die Mitmenschen, um mit ihnen in
einen echten, ehrlichen Dialog treten zu können. Es braucht in unserer
Gemeinde – und ich glaube, das ist überall so – spirituelle Vertiefung nach
innen und missionarisches Wirken nach außen."
"Den Laden zusammenhalten"
Pfarrer Rupprecht: "Priester müssen auf das viele Wirken des Hl. Geistes in der Zivilgesellschaft von heute hinweisen."
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Auf die Frage "Was sollen Priester sein?" antwortet Pfarrer
Martin Rupprecht aus der Pfarre
Christkönig - Neufünfhaus in Wien 15: "Zu allererst positive
Menschen. Es ist ärgerlich, wenn heute ständig vom Glaubensschwund in Europa
gesprochen wird. Priester müssen auf das viele Wirken des Hl. Geistes in der
Zivilgesellschaft von heute hinweisen. Wie viel an Sensibilität hat sich
entwickelt, wie viel an Engagement! Es hat nicht alles einen kirchlichen
Anstrich. Das aber ist die Herausforderung: den Menschen zu zeigen, dass das
Gute, das Schöne, der Einsatz für eine gerechte Welt eine Tat des Glaubens
ist.
Die Aufgabe des Priesters ist es, den Laden zusammenhalten. Die
unterschiedlichen Charismen scheinen sich manchmal auszuschließen. Da
braucht es den priesterlichen Dienst, um auf die Breite katholischen Daseins
hinzuweisen, und gleichzeitig Werkzeug für den Zusammenhalt zu sein."
Rolle in der modernen Gesellschaft klar sehen Thomas Rath: "Ich möchte besonders bezeugen, dass Christus für jeden einen ganz besonderen Plan hat, eine ganz einmalige Liebe für jeden Menschen."
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Thomas Rath, Pfarrer in Rabensburg und Hohenau an der March, sagt:
"Mir kommt vor, dass der Priester heute von vielen Menschen als seltenes
Exemplar gesehen wird, als Person, die wenig mit ihrem Alltag zu tun hat und
von dem sie meinen, dass er auch wenig von ihrem Alltag weiß. Von da her ist
der Priester heute herausgefordert, seine Rolle in der modernen Gesellschaft
klar zu sehen. Es ist in unserer Welt ganz wichtig geworden, in allem Farbe
zu bekennen: den Glauben, wie ihn Bibel und Kirche vermitteln. Ich möchte
besonders bezeugen, dass Christus für jeden einen ganz besonderen Plan hat,
eine ganz einmalige Liebe für jeden Menschen. Meine Pfarren brauchen einen
Priester mit viel Geduld, der zuhören kann, Verständnis hat für alle
möglichen Lebenssituationen, einen Priester, der deswegen die Versöhnung
Christi anbieten kann, weil er selbst diese Versöhnung zutiefst erfahren
hat."
(ag)
09.06.2010
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