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Was ans Licht kommt, kann heil werden
© Kathbild.at/Rupprecht

Weihbischof Stephan Turnovszky, Bischofsvikar für die Begleitung der Priester, blickt in "thema kirche" auf das "Jahr des Priesters" zurück.

Am 11. Juni 2010 wird das "Jahr des Priesters" feierlich abgeschlossen. Weihbischof Stephan Turnovszky, Bischofsvikar für die Begleitung der Priester in der Erzdiözese Wien, spricht im "thema kirche"-Interview über das "Jahr des Priesters", das für die Kirche insgesamt ein sehr schwieriges war, und benennt Probleme, die Priester heute haben können.

Wie lautet Ihr Resümee zum "Jahr des Priesters"?

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Turnovszky: "Ich möchte gerne Priestern Hilfestellungen anbieten, um leichter über Tabuthemen zu sprechen."

Turnovszky: Mein Resümee ist, dass der Priesterberuf wieder stärker ins Bewusstsein gehoben worden ist. Wir haben uns in diesem Jahr immer wieder beschäftigt mit dem, was der Priester ist, wofür es Priester gibt und was Priestern gut tut. Für mich war es ein Anlass, manches zu initiieren, was Priestern gegenüber Wertschätzung ausdrückt und auch Hilfestellungen gibt. Ich bin froh über dieses Priesterjahr.

Ist der Priester heute ein anderer als noch vor 20 Jahren?

Turnovszky: Auf jeden Fall ein anderer als zur Zeit des Pfarrers von Ars. Das Priesterbild ist im Wandel, weil die ganze Situation der Kirche im Wandel ist. Wir gehen weg von einer Situation der Volkskirche hin in unbekanntes Neuland. In der Vergangenheit war der Priester viel stärker in den Gemeinden derjenige Mensch, in dem sich das Pfarrleben personifiziert hat. Seit dem II. Vatikanischen Konzil ist uns bewusster, dass alle Christen in der Gemeinde das Pfarrleben mittragen.

Das Jahr war für die Kirche sehr schwierig und schmerzlich – im Zusammenhang mit der Aufdeckung von Missbrauchsfällen durch Kleriker. Wie sehen Sie auf das "Jahr des Priesters" unter diesem Aspekt zurück?

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Weihbischof Turnovszky: "Der mediale Druck, so unangenehm er auch ist, hilft der Kirche, das Missbrauchsthema zu bearbeiten. "

Turnovszky: Ich halte es für ein Werk der Vorsehung, dass das Priesterjahr zusammenfällt mit dem Jahr, in dem wir in Österreich erschüttert waren über zu Tage getretene Missbrauchsfälle durch Priester. Was will uns Gott damit sagen? Was ans Licht kommt, kann heil werden. Das ist schmerzhaft, aber gut. Ich bin ganz sicher, dass das mit Gottes gutem Geist zu tun hat, der uns hilft, Themen zu bearbeiten, die vorher verborgen und damit nicht bearbeitbar waren. Insofern hat der Geist Gottes das Priesterjahr benützt, um die Kirche zu reinigen und zu helfen, dass die Priester sich klar distanzieren vom tief verletzenden Umgang im Bereich sexuellen Missbrauches, aber auch im Bereich von Machtmissbrauch.
Jeder Priester ist von der Thematik erschüttert. Allerdings ist die Zahl der involvierten Priester doch sehr gering.

Wie wird mit dem Thema jetzt weiter umgegangen?

Turnovszky: Meine Sehnsucht wäre, dass die Thematik weiter enttabuisiert wird. Ich möchte gerne Priestern Hilfestellungen anbieten, um leichter über Tabuthemen zu sprechen. Ich stelle mir vor, die beste Form der Prävention ist, dass man Priestern hilft, über ihre Ängste zu sprechen.
Wir brauchen dringend "Räume diskreter Offenheit", wie ich es nenne. Zu diesen gehören nicht nur Psychotherapie, sondern auch das Themenfeld "geistliche Begleitung, Supervision und Coaching", wo Priester über ihre Arbeit sprechen können. Wichtig ist mir auch das Thema "Sucht". Es geht um Probleme, die jeder Mensch haben kann. Der Priester hat dadurch, dass er zölibatär lebt, kein Korrektiv in seiner Ehefrau. Deswegen ist es für den Priester besonders wichtig, Gesprächsräume zu haben.
Das Projekt "Räume diskreter Offenheit" möchte ich bis zum Herbst auf die Beine gestellt haben.

Was sind typische Probleme unserer Zeit, die auch Priester betreffen?

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Turnovszky: "Ich wünsche mir für die Zukunft der Priester ein gutes Miteinander. Damit meine ich: dass die Priester gut mit Gott zusammenarbeiten und auch gut mit den Laien."

Turnovszky: Probleme unserer Zeit, die auch Priester betreffen, sind z. B. Burn-Out, weiters alles, was mit dem Computer zusammenhängt, also Internetsucht, und da gerade auch Internetpornografie. Ich bin sicher, es gibt Priester, die Schwierigkeiten damit haben, auch wenn mir das persönlich noch keiner gesagt hat.

Wir können den Medien trotz mancher Übertreibungen dankbar sein. Der mediale Druck, so unangenehm er auch ist, hilft der Kirche das Missbrauchsthema zu bearbeiten. Ich hoffe, dass die Kirche hier eine Vorreiterrolle im Dienste der Gesellschaft einnehmen wird, denn Missbrauch betrifft alle Bereiche, in denen Menschen in geschlossenen Systemen zusammenleben. Meine Hoffnung ist: Wenn die Kirche vorbildhaft damit umgeht, könnten andere Vereine und Institutionen davon profitieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Priester?

Turnovszky: Ich wünsche mir für die Zukunft der Priester ein gutes Miteinander. Damit meine ich: dass die Priester gut mit Gott zusammenarbeiten und auch gut mit den Laien. Priester sind Diener des Volkes Gottes, damit dieses seine schwierige Aufgabe wahrnehmen kann: Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Wir brauchen ein klareres Bewusstsein vom Existenzzweck unserer Gemeinden. Sie sind kein Selbstzweck, sondern hin geordnet auf die Menschen, die wenig von der Liebe Gottes wissen. Ihnen haben unsere Gemeinden zu dienen! Ist das bewusst? Wer interessiert sich de facto in unseren Gemeinden für diejenigen, die keinen Kontakt zu ihr haben. Die Priester haben dafür zu sorgen, dass diesen Christen Glaube, Hoffnung und Liebe nicht ausgehen.

(ag)

09.06.2010


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