"Fair Play" - die Ethik im Sport © thema kirche

'Fair Play' ist für Pirkner, fußballspielender Priester, mehr als nur die Einhaltung von Spielregeln. "Es geht auch um den richtigen Umgang mit dem Gegner und darum, nicht um jeden Preis zu gewinnen", so Pirkner.

"Ein Fußballspiel ohne Foul gibt es nicht, es ist genauso, wie wenn man versucht, ohne Fehler zu leben", erklärt der Wiener Diözesanjugendseelsorger Werner Pirkner. Und er weiß, wovon er spricht, denn er spielt seit Jahren Fußball in der Priesternationalmannschaft. "Wesentlich ist, dass sich alle Spieler an das 'Fair Play' halten, dann macht es Spaß zu spielen. Nicht umsonst gibt es immer neue Kategorien bei Spielen, wie etwa die Kür der 'fairsten Mannschaft'", so Pirkner. Fair spielen hat aber nicht nur mit "nicht foulen", sondern sehr viel mit Teamgeist zu tun. "Fair Play ist mehr als Regeln einhalten, es bedeutet auch Verantwortungsbewusstsein gegen die anderen und das Miteinander - auch im Gegeneinander - zu erkennen", so der fußballspielende Priester. "Auch in der Priestermannschaft spielt Emotionalität eine Rolle oder ein Spieler fühlt sich ungerecht behandelt, aber das gehört einfach dazu", so Pirkner. Wichtig sei, dass ein Spiel nicht gehässig wird, denn dann passe es nicht mehr, "sondern das Spiel muss Spaß machen".

"Ganz ohne Fouls wird’s nicht abgehen"

© Rupprecht@kathbild.at
"Fair Play ist mehr als Regeln einhalten", betont Pirkner.

"Für jeden ist wichtig, dass er sich selber nach dem Spiel in die Augen schauen kann ohne sich zu schämen", sagt der Priester aus eigener Erfahrung. Da gehöre schon der Umgang mit den Mitspielern oder dem Gegner dazu. Das berüchtigte "versteckte Foul" gibt es nicht und, betont Pirkner, darf es nicht geben, ebenso  wenig wie die "Schwalbe", wenn sich ein Spieler im Strafraum des Gegners absichtlich hinfallen lässt, dafür gibt es die Bestrafung durch den Schiedsrichter. "Fouls aus dem Spiel heraus gehören dazu, auch manchmal Zeitschinden, aber alles andere wäre Betrug", so Pirkner.

Gut und richtig

© thema kirche
Auch bei den fußballspielenden Priestern gehts nicht ganz ohne Fouls.

"Fair Play" habe mit vielem zu tun, so der fußballspielende Priester. So müssen die besten Spieler nicht immer die richtigen sein, zitiert Pirkner den österreichischen Teamchef Josef Hickersberger und erklärt: "In einer Mannschaft ist das Zusammenspiel immens wichtig. Jeder Spieler muss sich einsetzen, für den anderen laufen, mit ganzem Herzen dabei sein und ein gemeinsames Ziel haben, nur dann kann es ein tolles und schönes Spiel werden." Dabei dürfe man die "dritte Halbzeit" nicht vergessen, denn auch die Begegnung mit den anderen ist wichtig.

Freunde gewinnen ist wesentlich

© DSG
Werner Pirkner spielt auch in der Wiener Diözesanmannschaft.

Als Priester und in seiner Funktion als Diözesanjugendseelsorger hat Pirkner immer wieder mit vielen Jugendlichen zu tun. "Am Jugendlager in meiner Pfarre war eine Grundregel zu beachten: Wie du mir, so ich dir. Damit war immer für Fair Play gesorgt, denn jeder versuchte sich in die Lage des anderen zu versetzen und richtig zu reagieren." Natürlich gehe das nicht immer gut, denn manchmal war es auch schwer, wenn die Emotionen hoch gingen, aber "das gehört einfach dazu, das macht ein Spiel zum Spiel". Wichtig sei immer, dass man sich selbst und anderen gegenüber aufrichtig sei. "Wettkämpfe kann man mit unfairen Mittel gewinnen, Freunde nicht", betont Pirkner. Und Freunde zu gewinnen ist für Werner Pirkner ein wichtiges Prinzip, betont der Austria-Wien-Fan. "Mein Vater war Rapidler, da gab es für mich nur Austria", so Pirkner. Religion und Fußball passen ja gut zusammen, denn viele Menschen pilgern ja nach "St. Hanappi". Mit diesem Namen hat Pirkner, "wenn es im Scherz gesagt ist, kein Problem. Es kann aber dazu werden, wenn es verabsolutiert und der Sieg das einzig Entscheidende und die Mannschaft der einzige Lebensinhalt wird." Das zeige sich auch, wenn die Spiele gerade am Sonntag Vormittag angesetzt werden. Hier sei schon eine schleichende "Fußballreligion" zu bemerken, so Pirkner.

Kirche und Sport

Bei der Europameisterschaft freut sich der Fußballfan Pirkner auf viele gute, spannende Matches, aber auch auf viele Begegnungen. Darum ist für ihn auch wichtig, dass die Kirche bei der Euro sichtbar da ist. "Die Kirche soll sein, wo die Menschen sind. Es ist eine große Chance, ins Gespräch zu kommen", so der Priester.

Die EURO 08 ist für den Jugendseelsorger eine tolle Gelegenheit, über scheinbare Barrieren hinweg gemeinsam etwas zu vollbringen. "Wenn am 22. Juni 'kick'n'pray' stattfindet, wo bewusst gemischte Mannschaften aus Christen, Muslimen, Österreichern, Kroaten, Türken und so weiter miteinander spielen, ist das vielleicht die beste Gelegenheit, um einander kennen zu lernen", so Pirkner.
Wenn die Spiele angepfiffen werden, findet sich Werner Pirkner "beim großen Fernseher im Wirtshaus vis-a-vis ein, denn gemeinsam macht Fußball nun einmal viel mehr Spaß."

(red)

Drucken

Fenster schließen